Mother of Tears: The Third Mother

La Terza Madre

von GeorgeKaplan
Dario Argento. Um den kam man in den 70er und Anfang der 80er einfach nicht herum, und "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", "Deep Red" oder "Tenebre" waren stilbildende Gialli, "Suspiria" ein einziger Farbenrausch, den er mit "Inferno" - wenn auch ausgesprochen sinnfrei - weitersponn. Und dann brach er die Triologie einfach ab. Jahrelang mussten seine Anhänger auf die Vollendung der Sage um die drei Hexen warten - und stattdessen zusehen, wie der Stern von Argento im Belanglosen und in Selbstüberschätzung versank.

Froh war daher die Kunde, nach 26 Jahren die Triologie nun vollendet zu haben, und gleichzeitig musste man Angst haben. Was, wenn Argento eine weitere Bruchlandung hinlegt? Was, wenn er plötzlich wieder seine Aussetzer hat, nicht nur bei der Story - die sagen wir eh zweite Geige spielt - sondern auch stilistisch? So genial seine Einfälle oft sind, die grottigen Heavy-Metal-Einlagen in "Phenomena" schmerzen heute noch. Und überhaupt, wenn so viel Zeit zwischen Planung und Umsetzung vergeht, kommt meist nicht Allzugutes bei raus, der Schwung fehlt, der Funke nicht mehr da und die Zeiten ändern sich.

Fast wie um auf Nummer sicher zu gehen, versammelt Argento seine wichtigsten Mitwirkenden um sich herum: Asia Argento, seine Tochter, Daria Nicolodi, seine Ex und Mutter von Asia (und für den ganzen Mütter-Spuk eigentlich verantwortlich, erzählte sie doch Dario von den Sage), Coralina Cataldi-Tassoni, der unvermeidliche Udo Kier, Claudio Simonetti als Komponist. Jeden von ihnen kennt er seit mindestens 20 Jahren.

Und was ist dabei nun rausgekommen? Kurz durchatmen, weder das eine noch das andere. Es ist keine Bruchlandung und auch kein Wendepunkt oder Anknüpfungspunkt an alte Zeiten. Aber vor allem ist es kein Film, den man völlig unvorbereitet nachvollziehen kann.

Sinn macht der Film also nur, wenn man sich in Argentos Kosmos einigermaßen auskennt und zurechtfindet. Es ist ein Argento-Film für Argento-Fans, die sich die Komplettierung gewünscht haben. Eine durchgehende, sinnvolle Handlung sucht man vergebens, stattdessen werden drei bis vier Geschichten angefangen und irgendwann fallengelassen. Nichts neues für den Argento-Kenner, ein Affront für alle übrigen Kinobesucher.

Sinn macht es deshalb auch nicht, Argento vorzuwerfen, er wäre nicht in der Jetztzeit angekommen. "La Terza Madre" ist ein Film aus den 80ern, bedient sich ausgiebig bei eben jenen "Phenomena" und bei seinen Ausflügen als Produzent bei "Demons" und "The Church", ohne dabei die Videoclipästhetik und die knalligen Farben zu verwenden. Überhaupt nutzt er - im Gegensatz zu den beiden anderen Teilen der Mütter-Reihe - Farbe nur sehr zurückhaltend und bedeckt. Wenn da mal ein rotes Kleid und rote Lippen auftauchen, ist man fast froh über den Farbklecks.

Wer ein aufmerksames Auge hat, wird auch einige formale Fehler finden, da bricht die Nacht dann doch mal recht unvermittelt ein, oder der Flieger wechselt die Fluglinie. Gedreht ist der Film übrigens mal wieder in Rom und Turin, obwohl er - wie seine früheren Gialli - ausschließlich in Rom und Umgebung spielt, auch das hat Tradition bei Argento.

Damit hat Argento nun alle Erwartungshaltung erfüllt, sowohl die positiven als auch die negativen. "La Terza Madre" war der Film, den wir uns von ihm gewünscht haben - nun kann er verdient in Ruhestand gehen. Wenn er mal Geld braucht, kann er ja einfach ein Remake seiner alten Filme produzieren lassen. Angesichts der Recycling-Erfolge sollte dabei genug herausspringen, selbst wenn niemand ein Remake von "Suspiria" braucht.

Grazie Dario.
GeorgeKaplan
sah diesen Film im Cinedom 9, Köln

22.08.2008, 04:00



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