Nothing to Lose

Review

von Wishbringer
Der arme Johann. Keiner will ihm glauben, was damals wirklich geschehen ist, seine letzte Hoffnung, seine Mutter doch noch zu einer ihn entlastenden Aussage zu bewegen, schwindet dahin und die Langzeitverwahrung als geisteskranker Krimineller steht ihm nun bevor. Das geht nun wirklich nicht. Also bricht er aus, schnappt sich an der nächsten Bushaltestelle die 13-jährige Tessa als Geisel und macht sich verfolgt von der Polizei mit ihr auf die Suche nach seiner Mutter.

Auch wenn wir Vermutungen anstellen, was in Momenten, die wir nicht sehen, passiert sein könnte, und was in der Vergangenheit von Johann geschehen sein mag, so sollten wir doch niemanden vorschnell verurteilen und jedem eine Chance geben, oder nicht? Bleibt nicht wie so oft beim FFF die Frage: Was ist nur in unserem Kopf und was ist real? Und was geht eigentlich in Johann vor? Wie sieht seine eigene Sicht der Realität aus? Und könnte der Trip mit Tessa für Johann vielleicht auch so etwas wie eine Befreiung von seiner Vergangenheit werden?

Theo Maassen spielt die Figur des Johann sehr facettenreich, lässt viele Seiten an Johann zum Vorschein kommen: überlegtes Vorgehen, verwirrten Geist, Unberechenbarkeit, bedrohliches Aggressionspotential, Kälte, Freude, sympathische Naivität, Fürsorglichkeit, Opfer und Täter. So entwickeln wir zu ihm ein ambivalentes Verhältnis, während unsere Hauptsympathie und Hoffnung der entführten Tessa gilt, über die Johann sagt, sie sei etwas besonderes, ein guter Mensch. Und das ist sie auch, und so hoffen wir natürlich vor allem für sie auf einen glimpflichen Ausgang der sich ständig zuspitzenden Situation.

Der Film fokussiert auf Johann und auf die Beziehung, die sich im Laufe der Geiselnahme zwischen ihm und Tessa entwickelt. Für mich sind die Handlungsweisen aller Beteiligten (auch größtenteils der Polizei) stets nachvollziehbar. Alle Ereignisse sind realitätsnah und spannend umgesetzt, und so bleibt meiner Meinung nach auch der endgültige Ausgang des Films genauso unberechenbar wie Johann selbst.
Wishbringer
sah diesen Film im Cinestar 9, Dortmund

28.08.2008, 03:59



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