Let the Right One In

Tristesse Royale (Extended Remix)

von zoulwags
Der folgende Review enthält SPOILER!
Eins vorne weg. Schlecht ist "Let The Right One In" keinesfalls. Es sind einige Dinge, die für den Film um den Außenseiter Oskar und seine Vampirfreundin Eli einnehmen.
Allen voran ist da die über knapp zwei Stunden durchgehaltene stimmige, düster-verwaschene Plattenbautristesse im skandinavischen Winter. Wer ein Faible für Farben und Formen der Spät-Siebziger und frühen 80er hat, kommt hier visuell voll auf seine Kosten. Ein zweites großes Plus sind die beiden jugendlichen Hauptdarsteller, denen es zu verdanken ist, dass man das Interesse an der Geschichte nie ganz verliert. Auch die skurrilen Nebenfiguren vom überforderten Lehrer Avila bis zu den stets mehr oder weniger angetrunkenen Nachbarn Jocke, Lacke und wie sie alle heißen sorgen für den nötigen Comic Relief in der ansonsten bedrückenden Atmosphäre. Und schließlich fand ich auch den Soundtrack des Films sehr geschmackvoll, auch wenn es mir, anders als z. B. Schöngeist-Rezensent George Kaplan, der Song "A Flash In The Night" der Band Secret Service angetan hat, den ich bestimmt schon so lange nicht mehr gehört hatte, wie meine in den 80ern selbst aufgenommenen Audiokassetten im Keller in einer Bananenkiste vor sich hin gammeln.
Nur: acht, neun oder gar zehn von zehn? Liebe Leute, wir wollen doch die Kirche mal im Dorf lassen! 115 Minuten sind schon eine lange Zeit für so ein bisschen Geschichte. Von Mitschülern geschundene und von Eltern missverstandene Teenager gab es ja nun schon zur Genüge in Filmen, und das Hauptproblem von Let The Right One In besteht für mich daher auch darin, dass der Film in seinem Verlauf immer weniger weiß, wohin er mit seiner Außenseiter-Geschichte will. Die zarte Annäherung von Oskar und Eli passt weder zu den Momenten, in denen man sich in einem dieser skandinavischen Skurrile-Typen-Filme wiederfindet, noch zum Splatter-Finale in der Schwimmhalle. Dazu kommt das Problem, dass alle Figuren außer Oskar nur angerissen werden. Natürlich muss man die Frage, wie Eli zur Vampirin wurde und ob Hakan tatsächlich ihr Vater ist, nicht beantworten. Hätte man aber zu Gunsten von etwas mehr Substanz in der Geschichte schon machen können.
Vor der Schwimmhallenszene ertappte ich mich dabei zu denken, "Wie, noch immer nicht fertig?". Und das spricht entweder gegen meine Geduld oder gegen einen Film, der einige eindrucksvolle Bilder bietet und ein paar Szenen, die im Gedächtnis bleiben, der aber insgesamt unausgegoren und zu lang ist.
zoulwags
sah diesen Film im Cinedom 9, Köln

26.08.2008, 17:06



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