Shiver

Horch, was kommt von draußen rein...

von D.S.
Der junge Santi hat ein Problem: Lichtallergie. Uuuuh, klingt fast nach einem Vampir, womit er von seinen Mitschülern natürlich auch weniger nett aufgezogen wird - und worauf die Eröffnungssequenz von "Shiver" durchaus intensiv anspielt.

Leider lässt die Intensität des Gezeigten dann sehr rasch nach, und zwar für eine ganze Weile - jedenfalls, was die Story und ihre Entfaltung angeht. Visuell wird hier nämlich erstmal eher geklotzt als gekleckert: die Kamera setzt beeindruckende Landschaften voluminös in Szene, das Ganze ist atmosphärisch montiert, Zeitraffer und ähnliche Techniken lassen einen Film erwarten, der nicht unbedingt Dutzendware ist.

Was ja auch die Ausgangssituation des Films verspricht - schließlich ist Lichtallergie nicht eben die am häufigsten thematisierte Eigenschaft eines Protagonisten, und sie verheißt interessante Momente im Filmverlauf... die aber leider nicht in nennenswerter Zahl kommen. Tatsächlich dient die Prädisposition unseres Helden letztlich nur als Auslöser der Story, das Potential dieser Idee wurde aus meiner Sicht jedenfalls völlig verschenkt.

Aber immerhin, die Story wird in Bewegung versetzt, und das geht so: Santi kann im Tageslicht nur unter Schmerzen bis Todesqualen überleben. Er kann erst im Zwielicht das Haus verlassen, und darum hat er weder Freunde noch soziales Leben noch größeren Spaß an seiner Existenz. Die Ärzte raten seiner Mutter, mit ihm aus der Großstadt im sonnigen spanischen Süden zwar vielleicht gleich nach Lappland, aber doch in den Norden des Landes zu ziehen - wo es kleine Dörfer in Felsschluchten gebe, an die fast kein Sonnenstrahl je gelange.

Gesagt, getan, und man ist auf dem Weg ins ewige Halbdunkel. Oder so. Jedenfalls landen die beiden in einem geräumigen alten Haus in einem idyllischen kleinen Dörfchen, Santi wird gleich an seinem ersten Schultag vom hübschesten Mädchen des Ortes mehr als deutlich angelächelt, alles scheint sich zum besseren zu wenden.

Aber was sind das für raschelnde Geräusche im angrenzenden Wald? Was diese Schemen? Und was, um alles in der Welt, hat das Schaf auf des Nachbars Weide gerade so fachmännisch zerlegt?

"Shiver" beantwortet uns diese Fragen auf nicht gerade sensationell aufregende Weise, ist aber zwischendurch gut goutierbar. Die Produktionsstandards sind recht hoch, die Darsteller akzeptabel, die Atmosphäre kann zwischenzeitlich fesseln und ein paar kleine chillige Momente sowie eine Handvoll Schocks gibt es auch.

Was den Film aber ziemlich herunterzieht, sind nicht nur einige Längen bzw. ein genereller Mangel an Tempo über weite Teile der Laufzeit. Vielmehr tut sich irgendwann eine gewaltige Diskrepanz auf zwischen den vor allem anfangs tollen Bildern und der Story, die man ab einem gewissen Punkt fast nur noch, nun ja, infantil nennen kann. Ich möchte sogar soweit gehen zu sagen: das Drehbuch ist spätestens ab der Hälfte des Films als missgebildetes, verschandeltes Etwas auf der Strecke geblieben. Logik-Böcke? Unglaubwürdigkeiten? Klischee-Kanonaden? Alles gar kein Ausdruck.

Und so hat man letztendlich das unbefriedigende Gefühl, eine viel zu kleine Story in einem viel zu großen Rahmen erlebt zu haben - und ausgekaut bis albern ist sie auch noch.

Gegen Ende wird das Drehbuch dann zum echten Ärgernis, weshalb ich auch nicht mehr 6 Punkte geben kann - wozu Inszenierung und auch der Hauptdarsteller zunächst durchaus einluden. So sind es nur 5,5. Einen Blick riskieren kann man aber auf jeden Fall, zumal als Frankfurter. Hier lief der Film gewissermaßen mit Heimvorteil. Denn die Stadt am Main spielt in "Shiver" auch eine kleine, sehr obskure Rolle.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

28.08.2008, 02:50



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