The Art of Negative Thinking

Milka ist anders

von Acrylamid
Ich mag dunkle Schokolade. Zwar esse ich am liebsten die Sorte Vollmilch, aber ab und an habe ich auch Lust auf eine Tafel, bei der die Süße mit einem herben Geschmack kombiniert wird. Viele Filme und Serien bieten meiner Meinung nach einen ähnlich zartbitteren Genuss; besonders durch Stromberg wurden solche "Komödien" auch in Deutschland beliebt, bei denen der Witz auf herbe 60% Kakao-Drama trifft und dadurch umso süßer schmeckt.

Auch bei The Art of Negative Thinking habe ich mir ähnliches erhofft, leider wurden meine Erwartungen aber übertroffen (sic!). Ja, die Witze waren politisch unkorrekt, teils auch richtig böse. Humor platzte in finstere Situationen und lustiges Geplänkel wurde auf einmal todernst.
Im Publikum gab es viel Gelächter, leider konnte ich selber nicht mitlachen. Zu negativ waren mir einfach die Stimmungen der Figuren, welche ich zudem allesamt nicht richtig leiden konnte. Ja, es ist sicher angenehm, dass jemand im Rollstuhl auch mal zynisch und mit einer "Fuck all"-Mentalität dargestellt und nicht als knuddeliger Dalai Lama für Behinderte und Botschafter für Lebensfreude der Marke "Jetzt erst recht" präsentiert wird. Aber wenn er die Liebesbekundung seiner Partnerin, die bis dahin alles unternommen hat um ihm zu helfen, mit dem Satz "Ich will keine Frau, die einen Krüppel liebt" kontert (ohne Augenzwinkern oder nachträglich Entschuldigung bzw. sonstige emotionale Regung), dann fällt es mir einfach schwer Sympathien für ihn zu entwickeln. Ich mag eigentlich Figuren mit Schwächen oder ungewöhnlichen Weltsichten, aber hier wurde der Titel leider zum Programm und der Film gleitet für mich ins Nihilistische ab.
Als ernsthaftes Drama funktionierte der Film für mich leider auch nicht, dafür waren die Sprünge von solchen verzweifelten, unangenehm anzuschauenden Szenen zu Brachialhumor zu schnell. Durch die Jagd auf Gags machten die Figuren auf mich auch allesamt einen unwirklichen Eindruck; das Ende habe ich dem Film auch nicht ganz abgenommen.
Schade, aber leider kann ich meinen Vorrednern nicht ganz zustimmen. Ich fand den Film zwar wirklich interessant, aber leider nicht richtig gut, denn der bei jedem Film aufs Neue schwierige Versuch, ernst und lustig zu kombinieren, ging in diesem Fall für mich (!) nicht auf: Der Film hat es mir einerseits schwer gemacht, befreit zu lachen, das dann aber andererseits nicht durch eine wirklich aufschlussreiche Geschichte oder Figurenentwicklungen ausgeglichen. Normalerweise bin ich in solchen Fällen auch nicht zimperlich den Film einfach "nicht ernst zu nehmen" und den Humor für sich zu genießen, aber durch viele tragische Szenen mit fehlendem oder seltsam entstelltem Augenzwinkern habe ich das leider nicht geschafft.
Also noch einmal will ich mir nicht anschauen, aber dieses einmalige Probieren hat sich für mich als Erfahrung trotzdem gelohnt.

Es ist wie bei einer Schokolade mit 90% Kakao. Ich weiß zwar, dass immer noch Zucker enthalten ist, aber sie schmeckt für mich trotzdem nicht süß.
Acrylamid
sah diesen Film im Cinecitta' 2, Nürnberg

28.08.2008, 19:43



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