Mother of Tears: The Third Mother

Die gute Nachgeburt

von D.S.
Dario Argento hatte früher einmal wirklich meine Bewunderung - "Suspiria" und "Phenomena" gehören zu den beeindruckendsten Horrorfilmen, die ich in meiner Jugend gesehen habe. Auch "Stendhal Syndrome", 1997 auf dem FFF genossen, gefiel mir noch ausnehmend gut - anders als den meisten Hardcore-Argento-Fans. Lag vielleicht auch an Asia Argento, die ich hier zum ersten Mal richtig wahr nahm - und klasse fand.

Dann aber kamen Trauerspiele wie "Sleepless" und vor allem "The Card Player", und im Laufe der Jahre kühlte sich meine Begeisterung bis unter den Nullpunkt ab. Es war und ist mir unerklärlich, wie jemand mit so langer Regieerfahrung und einer ganzen Zahl von Meisterwerken in der Filmographie auf ein solches Amateurlevel absinken konnte, wie sie Argentos letzte Filme repräsentierten.

So, nun kam also "Mother of Tears", auch "Abschluss der Mütter-Trilogie" genannt. Schon seit dem Erscheinen der DVD hagelte es Verrisse sondergleichen, und auch bei f3a.net schnitt der Film bislang insgesamt ziemlich negativ ab. Aber nicht nur deshalb setzte ich mich heute mit einer Null-Erwartung in den Saal: In der Eröffnungsrede zum Film davor entschuldigte sich der Rosebud-Sprecher geradezu dafür, "Mother of Tears" überhaupt zu zeigen. Man habe ihn nur ins Programm genommen, weil viele Argento-Fans regelrecht darum gebettelt hätten. Was nun auch nicht gerade wie eine Empfehlung klang...

Aber hey, was soll ich sagen: mir hat der Film Spaß gemacht. Überwiegend. Und ja, er hat mich positiv überrascht. Er war stellenweise extrem brutal, er hatte mit Rom eine angenehme Kulisse und vor allen Dingen war er durchaus reichlich spannend inszeniert.

Nicht falsch verstehen, er hatte jede Menge üble Schwächen, die aber für viele Argento-Filme typisch sind und sich fast ausnahmslos unter Drehbuchmängeln subsumieren lassen: debile Dialoge, Logik-Lücken, zahllose Zufälle und sonstige hanebüchene Handlungsschwenks und überhaupt, Ehrensache, den Unwahrscheinlichkeits-Generator auf permanenten Hochtouren. Fast hätte ich daneben die häufige unfreiwillige Albernheit des Geschehens vergessen - ich sage nur "Terror-Affe". Und über die schauspielerischen Leistungen decken wir ohnehin lieber den Mantel der Verschwiegenheit. Was leider auch Asia betrifft, deren darstellerisches Repertoire sich hier auf variierende Level von Irritation, Hilflosigkeit und Hysterie beschränkt. Aber na ja, Gehetztheit hatte selten ein hübscheres Gesicht... Dass sie es allerdings immer noch nötig hat, ihre nackten Brüste in einem B-Movie zu zeigen? Vielleicht war das aber auch ein emanzipatorisches Statement, das ich nicht so ganz verstanden habe.

Ich habe noch gar nichts zur Story gesagt, aber das hat auch seinen Grund: denn die ist, ebenfalls nicht überraschend, nicht höher als auf dem Niveau eines John-Sinclair-Heftchens angesiedelt. Bei Ausgrabungsarbeiten neben einem Friedhof wird ein knapp 200 Jahre alter Sarg freigelegt, auf dem eine offensichtlich schwarzmagische Urne befestigt ist. Diese enthält einen Dolch, ein rituelles Kleidungsstück und drei mythische Figuren, die mit altertümlichen Inschriften versehen sind. Als eine Museumsmitarbeiterin diese laut vorliest, wird im alten EVIL DEAD-Style die Mutter der Tränen geweckt... und die sorgt für reichlich Chaos, Gewalt und Apokalypsen-Flair im guten alten Rom.

Was, wie erwähnt, in brutalen Exzessen kulminiert, Gewalt gegen Minderjährige ist hierbei explizit nicht ausgenommen. In diesem Metier kennt sich natürlich nicht nur Argento, sondern auch Sergio Stivaletti bestens aus, darum wird hier immer wieder herzerfrischend direkt und deutlich zu Werke gegangen. Im Zentrum des hexenverseuchten Treibens findet sich bald Asia wieder, was auch mit ihren Eltern und den ersten beiden Teilen der Trilogie zu tun hat - dennoch kann man "Mother of Tears" auch ohne Vorkenntnisse gut konsumieren. Die bescheuerten Erklärungen für alles, was geschieht, werden nämlich in mehr als ausreichender Fülle dargeboten - was nicht nur regelmäßig äußerst lächerlich wirkt, sondern manchmal auch ermüdet. Der Film hätte gerne 20 bis 30 Minuten kürzer sein können, kompakt wird das alles nicht. Gerade in der ersten Hälfte nimmt sich der Maestro deutlich zu viel Zeit für seine Nichtigkeit von Story.

Dann aber werden nicht viele Gefangene gemacht, es wird gemetzelt, gequält, geschrieen und gestorben - alles sehr oldschoolig, bis auf ein paar allerdings gleich hyperpeinliche CGI-Effekte. Dennoch, die können das gute Gefühl von echtem Italo-Horror nicht zerstören. Und wenn wir hier auch Lichtjahre von "Suspiria" und ähnlichen (Farb-)Feuerwerken entfernt sind; die Inszenierung nur allzu oft immer noch nach Amateurtum riecht und man sich regelmäßig fragt, ob Argento das eigentlich wirklich alles so gemeint hat: "Mother of Tears" unterhält, blutet und fesselt bis zum Ende. Darum 6 Punkte - jedenfalls, wenn man eine Schwäche für die Werke des Meisters hat oder jemals hatte.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

29.08.2008, 05:17



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