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Mum & Dad (2008)

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Für mich bislang eine der größeren Enttäuschungen des Festivals: hatte mir eine schwarzhumorige Groteske erhofft, vielleicht sogar eine Abrechnung mit dem Spießeridyll „Familie“, zumindest aber ein niederträchtiges Blutbad – bekommen habe ich ein lahmes Kammerspiel um, wieder einmal, degenerierte Rednecks und ihr verkommenes Wertesystem.

Ok, Kammerspiel ist nicht gleich Kammerspiel, hier ist nun nicht eben die hochgeistige, dialoglastige Variante gemeint. Vielmehr eine, die sich in einem Minimum an Sets, eben nur in ein paar Kammern abspielt und allein schon dadurch recht bald eine gewisse Langeweile entstehen lässt. Humor konnte ich leider fast keinen entdecken, höchstens ab und an ein wenig Zynismus. Aber der dient nie dazu, so etwas wie eine Story zu entwickeln oder voranzutreiben. Sondern höchstens als Hintergrund für ein wenig Folter und Fleischwunden.

Dabei fällt auf, dass der Film sich zunächst sehr deutlich – zu deutlich – Mühe gibt, neue Perversionen zu erfinden und das Grausamkeitslevel nach oben zu verschieben. Ab einem gewissen Punkt fällt ihm jedoch sogar in dieser Hinsicht nichts mehr ein, und wenn man von ein, zwei ungewöhnlichen Schmerzzufügungselementen im letzten Drittel von „Mum & Dad“ einmal absieht... überschreiten die Mittel des Films auch hier bald nicht mehr das Übliche.

Was bleibt, ist eine bewegungsarme Geschichte um ein Mädel, das das falsche Haus betreten hat und es nun in der Gefangenschaft einer sadistischen Mutter und eines grobklotzigen Schlächtermeisters von Vater aushalten muss, immer wieder heimtückisch noch tiefer in die Scheiße geritten von ihrer neuen „Schwester“ und unter den teilnahmslosen Blicken ihres neuen „Bruders“. Mama und Papa haben ihre eigenen Vorstellungen von der idealen Familie und sind nur zu gerne bereit, diese mit harschen Disziplinierungsmaßnahmen auch durchzusetzen...

Wie gesagt, diese Maßnahmen verlieren schnell an Krassheit und sowieso an Reiz für den Betrachter; ein Subtext etwa in Form eines galligen Kommentars zu „Familienwerten“ ist, realistisch betrachtet, ohnehin nicht auszumachen. Dazu sind einige Masken und Effekte zwar gelungen, insgesamt ist der Look aber reichlich billig. Kamera und Montage sind keines weiteren Wortes wert, die Darsteller fallen auch nicht weiter ins Gewicht – aber immerhin ist „Dad“ ganz gut gecastet. Was aber wirklich nervt, sind die ständig wiederkehrenden Szenen eines über unsere Köpfe hinweg startenden Flugzeugs. Auch ein Weg, eine Nicht-Story auf Spielfilmlänge zu strecken...

Wegen ein paar guter Momente im ersten Drittel gebe ich dem Film noch 4 Punkte. Aber etwas Bitterböses, wirklich Grausames oder gar Intelligentes ist „Mum & Dad“ leider absolut NICHT.
Dominic Saxl
sah diesen Film im Metropolis 3, Frankfurt
OOOO......
30.08.2008, 05:33
 

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