The Brøken

Auf der anderen Seite

von Timo
Ist nicht mehr und nicht weniger als mein erstes, persönliches Festival-Highlight (!!!). Außerdem etabliert THE BROKEN nun auch den Namen Sean Ellis (Regisseur), der mit diesem und seinem Erstling (CASHBACK) zwei absolut hochkarätige Filme geschaffen hat.

THE BROKEN ist exakt das, was der koreanische Film INTO THE MIRROR auf dilettantischste Art und Weise, trotz greifbarem Potential verbockte. Sean Ellis greift sich jedoch nicht nur den daraus entsprungenen Spiegelplot, bei dem er nahezu jedes Bild mit einer unbehaglichen Symmetrie ausstattet, sondern vermischt seine Geschichte mit Auszügen aus THE BODYSNATCHERS und SIE LEBEN! und ordnet diese schauderhafte Mischung schließlich auch noch einem STAY-artigen Traumadiskurs unter. Und all diese Facetten bringt Sean Ellis so meisterlich, so stilsicher aber auch so unverkrampft unter einen Hut. Und gerade letzteres ist sicher nicht selbstverständlich, weil die meisten Filme dieser Art sich irgendwann an ihrem Konstrukt aufhängen. Nicht aber THE BROKEN, der unter Beweis stellt, wie flüssig ein von vorn bis hinten durchkonstruierter Film ablaufen kann.

Man möchte sich THE BROKEN am liebsten gleich noch einmal ansehen. Um die enorme Perfektion zu begreifen, aber auch um sich an den vielen Details zu laben, mit denen der Film in jeder Einstellung arbeitet. Gerade zu Beginn wirkt es wahre Wunder, dass THE BROKEN voll und Ganz auf seine filmische Erzählung vertraut und nicht den Erklärbären mimt. Es ist doch so viel besser, die Tatsachen nur leise anzudeuten anstatt sie laut anzusprechen. Es beunruhigt doch so viel mehr, das wir nur vermuten können, was sich dort zuträgt, anstatt das wir alles auf dem Silbertablett gereicht bekommen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, THE BROKEN sei der erste Film seit Jahren, der die Idee hinter Suspense verstanden hat und diese richtig umzusetzen weiß.

Und am Ende fällt dem Zuschauer schließlich die Decke auf den Kopf. Das Enthüllte lässt den Film nicht nur in einem anderen Licht dastehen, sondern verbeugt sich auch noch vor dem Publikum, indem THE BROKEN ihm zutraut zu verstehen was es sieht. Gerade hierfür sind die letzten Sekunden Zelluloid von enormer Wichtigkeit, schließlich bedeuten Sie den Unterschied zwischen einem anbiedernden Blockbuster und diesem kruden Independentfilm. Die kalten, bedrohlichen Bilder sind nicht weniger qualitativ, als die aus DOWNLOADING NANCY (man bemerke das hier Christopher Doyle zu Gange war!). Hervorzuheben ist definitiv auch die großartige Tonarbeit, welche dem Film ein sehr eigenes audio-visuelles Sprachrohr verleiht. Melvil Poupaud (DIE ZEIT DIE BLEIBT) und Lena Headey (300) müssen eigentlich nur halbwegs ordentlich spielen - und das machen beide auch.

THE BROKEN ist subtiler Thriller und Endzeitgegrusel in einem. Den Namen Sean Ellis darf man sich fortan im Gedächtnis erhalten, er wird mit kommenden Projekten definitiv zum Gütesiegel. Wer allerdings auf die neuerdings so angesagten, reißerischen Goreparties steht, wird bitter enttäuscht. THE BROKEN tauscht die Blutkonserve nämlich zum größten Teil gegen eine dichte Atmosphäre. Das bieten heute nur wenige.
Timo
sah diesen Film im Metropolis 3, Frankfurt

31.08.2008, 00:45



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