100 Feet

Hat mal jemand Feuer für diesen Film?

von D.S.
Meine Güte, was für ein lahmer Haufen Mist. Zunächst denkt man ja noch: schön; routiniert inszenierter Poltergeist-Film. Alles drin, alles dran. Fähige Protagonistin mit nicht unmittelbar zu erwartenden Scream-Queen-Qualitäten, hübsch düsteres Setting, Kamera sauberer Hollywood-Standard, Effekte soweit ok.

Aber dann passiert halt erst mal nichts. Danach auch nicht. Dann noch schnell ein paar Klischees mit dem Pesthauch der endgültigen Überstrapaziertheit eingestreut, überflüssige Handlungsstränge mit offenen Enden, schier unerträglichen Kitsch und pure Peinlichkeit, wenn sich die schwer gealterte Famke Janssen mit einem gefühlt 16-Jährigen im Bett vergnügt - und fertig ist eins der Sonderangebote aus dem Gurkenfach des FFF 2008.

So schreibt man Vorhersehbarkeit: Madame hat ihren gewalttätigen Ehemann in Notwehr umgebracht. Der war leider Polizist und wurde gut gedeckt, sie hat dafür mehrere Jahre im Knast abgesessen und muss nun die letzten 12 Monate ihrer Strafe unter striktem Hausarrest in ihrem leeren, zugestaubten Haus in Brooklyn verbringen. Wobei Hausarrest hier - im Gegensatz etwa zu "Disturbia" - wirklich HAUSarrest bedeutet: dank Fußfessel und Piepser kommt sie nicht mal richtig bis zur Haustür, vom Kellergeschoss ganz zu schweigen. Aber da gibt es ja den Geist ihres toten Mannes, um ihr Gesellschaft zu leisten. Und den Jungen vom Lebensmittellieferservice. Da wird schon keine Langeweile aufkommen.

Beim Zuschauer leider schon. Denn von einigen, wenigen interessanten Momenten mal abgesehen, herrscht in "100 Feet" der komplette Stillstand. Wobei sich diese Momente tatsächlich an einer Hand abzählen lassen - nämlich die, in denen der Geist ihres Mannes sie konfrontiert. Ok, der ist sauer und wird mitunter reichlich rabiat. Davon hätte man sich mehr gewünscht. Viel mehr. Aber schätzungsweise 70 % der Laufzeit des Films verbringen wir damit, Frau Janssen beim Durchschreiten, Einräumen, Aufräumen, Renovieren der Bude zuzusehen. Bei Tageslicht. Unter ausgelassener Begleitung der billigsten Klischees (man lässt sich Bücher über Geister kommen... den Pfarrer... usw.) und Null-Atmosphäre.

Sonst ist dann eigentlich auch nichts mehr zu erwähnen, außer vielleicht das großzügige Sponsoring des Films durch Philipp Morris mit der Marke Marlboro. Wobei da durchaus noch ein paar mehr Hersteller auftauchen... vielleicht macht Product-Placement-Raten den Film ja sogar zu etwas Spannendem, probiert es aus.

Das, was storyseitig vor sich geht; wie es hergeleitet und wie es aufgelöst wird - das ist jedenfalls unterste Schublade, eine Kreuzung aus B-Movie und Hollywood-Ramsch. Ein einziges Ärgernis, lahm und ohne jede Spannung. Und die Logikböcke habe ich noch nicht mal erwähnt. Besser meiden, sonst kommt der Filmgeschmacks-Poltergeist. 3 Punkte, weil zwar professioneller, aber ungefähr auf dem Unterhaltungsniveau von "XII".
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

31.08.2008, 06:13



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