crazy

Opapatika

Ein Film, so endlos wie das ewige Leben...

von D.S.
...und dieses ist nicht gerade angenehm, wie uns "Opapatika" ja lehrt. Zumal, wenn es durch Selbstmord ausgelöst wurde. Gilt der Besuch eines solchen Filmes eigentlich auch als Selbstmord? Muss wohl, denn die Qualen von "Opapatika" wollen einfach nicht enden...

Naja, ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Der lange, lange Film hat durchaus einiges zu bieten, gerade in visueller Hinsicht - für ein thailändisches Werk sieht das Ganze sensationell gut aus. Die Kamera vermittelt Größe, die Kampfchoreographien sind sauber bis mitreißend, der Bodycount ist enorm und auch noch mit recht vielfältigen Ablebensideen ausgestattet.

Das wirklich Schlimme an "Opapatika" ist vielmehr das Potential, das hier verschenkt wurde. Denn die Storyidee bietet so einiges und klingt auf dem Papier sehr reizvoll: ein Detective bringt sich unter der Anleitung eines seltsamen Gurus um, um die Zwischenwelt betreten zu können. Eine Zwischenwelt, in der die Opapatika sichtbar sind: Menschen, die als Dämonen mit übernatürlichen Kräften reinkarniert wurden. Eine Zwischenwelt, in der aber auch Krieg herrscht zwischen den Menschen und den Opapatika (was aber kaum weiter thematisiert wird - ebenso wenig wie die dritte Schicht der Welt, in der alles mit allem in Frieden lebt).

Unser Detective ist nun selbst eine Art Opapatika und hat entsprechend auch besondere Fähigkeiten: nämlich die absolute Intuition, er kann die Gedanken von Menschen lesen und weiß im Voraus, was sie als nächstes tun werden. Auch im Detail - er weiß zum Beispiel, wo ihre nächste Pistolenkugel hin fliegen wird. Da er aber dank seines Selbstmordes unrein ist, muss er für seine neuen Fähigkeiten einen Preis zahlen: jedes Mal, wenn er sie anwendet, verliert er einen Teil seiner normalen Sinneskräfte. Um seine Aufgabe in der Zwischenwelt auszuüben, muss er sie jedoch anwenden. Wird er seinen Job erfüllen können, bevor er komplett blind, taub, stumm usw. ist?

Dieser Job ist kein leichter: der erwähnte Guru verlangt von ihm, vier mächtige Opapatika aufzuspüren. Diese bilden eine Art "X-Men des Bösen": allesamt sind sie versierte Serienkiller, allesamt sind sie den Sterblichen unglaublich überlegen. Einer von ihnen ist tatsächlich unsterblich; der zweite kann eine Art Sand-Spiegelbild seiner selbst erzeugen, das wie ein Hulk für Arme aussieht und sich jederzeit auflösen und an einem neuen Ort wieder zusammensetzen kann; der dritte ist wohl bei Nacht unsichtbar (das schreibt jedenfalls das Programmheft - habe ich im Film nicht so mitbekommen), dafür tagsüber schwach und verletzlich; der vierte ist der schnellste Schütze und die Tötungsmaschine schlechthin - aber dafür hinterlässt jede Wunde, die er einem Opfer zugefügt hat, auch auf seinem Körper eine Spur. Wir könnten ihn auch "Mr. Narbe" nennen.

Diese vier sind alte Bekannte, manchmal Freunde, manchmal Feinde... mal kämpfen sie gemeinsam gegen den Guru und seine Armeen menschlicher Soldaten, mal bis aufs Blut gegeneinander, mal zwei zusammen gegen die anderen beiden, mal jeder für sich... da ist sich der Film leider nicht ganz schlüssig. Aber wie auch immer, unser Detective soll sie ja eigentlich nicht mal bekämpfen, sondern nur aufspüren. Fürs Kämpfen sind dann die Menschensöldner zuständig, unter dem Befehl eines stoischen, großen sterblichen Inders - der ein bisschen wie ein alter Indianerhäuptling wirkt und seine eigene Philosophie verfolgt. Und bestimmt auch seine eigenen Ziele - genau wie unser Detective.

Der macht das alles nämlich eigentlich nur, um die Unsterblichkeit zu erlangen. Aber davon ist im Verlauf des Films leider nicht mehr weiter die Rede... vom Grund des Gurus, die vier Opapatika jagen zu lassen, übrigens auch nicht groß.

Dabei wird eigentlich permanent geredet, wenn nicht gerade mal kurz eine hektische Kampfszene ansteht. Wie schreibt das Programmheft? "Die leisen Gedanken rund um Karma und Erlösung sind der Kleister, der die denkwürdigen Action-Setpieces zusammenhält". Man könnte auch sagen: das pathetisch aufgeladene, pseudo-philosophische Gebrabbel (ungefähr Güteklasse "Matrix"), das den Film füllt, ist der Kaugummi, durch den die Erzählung nur mühsam voran watet... der Sumpf des narrativen Leidens, in dem die Aufmerksamkeit des Zuschauers langsam, aber sicher unrettbar versinkt.

"Opapatika" ist alles andere als austariert und sinnvoll getimt. Tatsächlich sind die Kampfsequenzen sehenswert und intensiv gefilmt, wenn auch leider öfters mal unübersichtlich geschnitten. Nur, dass ihre zwei-, dreiminütige Atemlosigkeit jedes Mal abgelöst wird von 20-minütigen Sequenzen, in denen einfach gar nichts mehr passiert. Sondern nur noch Möchtegernweisheiten rund um Leben, Tod, Selbstmord und Selbsterkenntnis abgesondert werden.

Das ist nicht nur extrem ermüdend, sondern leider auch noch sehr schwer nachvollziehbar arrangiert. Wer hier gerade eigentlich aus welchem Beweggrund was tut und mit wem gegen wen kämpft und wann wo wie weshalb noch mal...? Hilfe. Hier geht man, zumindest in einer Nachtvorstellung, garantiert gnadenlos verloren.

Hinzu kommt, dass ausnahmslos alle Figuren vollkommen unsympathisch gezeichnet sind, man sich also auch mit niemandem identifizieren oder auf ein bestimmtes Schicksal besonderes Augenmerk legen mag. Einziger Sympathieträger ist vielleicht der female love interest, aber deren Beziehung zu den einzelnen Protagonisten und der aktuelle Stand des jeweiligen Interesses am anderen... das führt nur noch weiter weg von einer Nachvollziehbarkeit, die diese Mixtur aus Hektik-Kaugummi-Hektik-Kaugummi ohnehin kaum besitzt.

Nach 110 Minuten, die sich anfühlen wie 400, ist die krude Mischung dann endlich an ihrem Ende angelangt. Aber getreu der Philosophie des Werkes könnte das Ganze auch für immer weitergehen. Denn solange du keine Reinheit erlangt hast, gibt es für dich nun mal auch keine Hoffnung. Und Reinheit ist alles - aber nicht "Opapatika". Der ist eher dreckiger Gedankensalat mit Actionsoße. Aber nicht gut abgeschmeckt. 4,5 Punkte - der Schauwerte wegen.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

31.08.2008, 06:15



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