JCVD

Von Fans für Fans

von D.S.
Auch für den neutralen Beobachter ist es immer wieder interessant, wenn die Muskeln zu sprechen beginnen - wenn bis dato scheinbar tumbe Actionhelden auf einmal versuchen, als ernsthafte Schauspieler anerkannt zu werden. Beim italienischen Hengst Stallone ging das mit "Cop Land" meiner Meinung nach schwer daneben, auch wenn fast alle Profikritiker das anders sehen: seine Rolle war zwar gut angelegt, "Sly" aber niemals in der Lage, sie überzeugend zu füllen.

Nun geht Ekelpaket Jean-Claude noch einen ganzen Schritt weiter. Indem er nicht nur eine Figur spielt, die als ironischer Kommentar auf seine bisherigen Rollen zu werten ist. Sondern, indem er sich selbst spielt - in einem mehr als selbstironischen, teilweise sogar wie eine bittere Abrechnung mit der eigenen Karriere wirkenden Licht. Eine so dargebotene Fähigkeit zur Selbstkritik hätte ich ihm, ehrlich gesagt, nicht wirklich zugetraut - und dafür schon mal Respekt.

Seine schauspielerischen Fähigkeiten halten sich natürlich trotzdem in Grenzen, worüber auch der seltsam extrem gehypte Monolog in der Mitte des Films kaum hinwegtäuschen kann. Der wirkt ohnehin eher deplatziert: in der Story hat er jedenfalls nichts verloren, und in einem Film auf der Metaebene eine zusätzliche einzuführen, die den Betrachter aber auf keiner Weise weiterbringt...? Das wirkte für mich doch arg gewollt.

Wäre auch gar nicht nötig gewesen. Denn als Film über das Schicksal eines zweitklassigen Actiondarstellers, der reale Probleme eben nicht schmerzfrei-souverän lösen kann, kommt "JCVD" auch so sehr klar auf den Punkt. Und unterhält dabei ziemlich gut, wenn auch nicht überragend. Jedenfalls, solange man kein ausgewiesener Fan der Brüsseler Muskeln ist: dann nämlich kann man bestimmt eine innigere Beziehung zu der Figur in der Bredouille aufbauen und auch die Feinheiten ihrer Verhaltensweisen schätzen.

So aber, als "Bloodsport"-Kostverächter, sieht man einfach einen beliebigen B-Star in einer Zwangslage und amüsiert sich eigentlich mehr über die Reaktionen seiner Umwelt auf ihn in dieser Situation als über ihn selbst. Den Drama-Aspekt des Films nimmt man so sogar noch distanzierter wahr: hier ist eben ein Promi, der gerne als Mensch wieder klar kommen würde. Irgendeiner. Dass das nun ausgerechnet Jean-Claude ist, na gut. Da könnte auch Til Schweiger sitzen.

Der große Hit ist "JCVD" nicht, dafür fehlt der Figur auch einfach die Tiefe bzw. die Bedeutung in der Realität, die gebrochen werden könnte. Falls man nicht gerade Belgier ist, Fan, oder sonst jemand, der mit Monsieur irgendwas verbindet. Alle anderen werden sich hier ohne Frage gut unterhalten fühlen. Aber mehr als 7 Punkte sind dann doch nicht drin. Und hässliche Klamotten bleiben hässliche Klamotten. Egal, warum sie jemand trägt. Die Steven-Seagal-Witze waren aber sehr sehr gut :)
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

31.08.2008, 06:17



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