Three Kingdoms: Resurrection of the Dragon

Zu viele Helden

von D.S.
Die Laufzeit von nur 102 Minuten lässt es ja fast schon vermuten: für ein Epos ist "Three Kingdoms" irgendwo nicht episch genug. Als etwas anderes als ein Epos ist er allerdings von vorneherein überhaupt nicht denk- oder goutierbar - denn nicht nur Setdesign und unglaubliche Production Values, sondern auch der aus Chinas Historie entstammende Plot und die Narration lassen nichts anderes zu als weiteres Werk voll Pathos, Heldentum und natürlich Massenschlachten.

Nun hat der Film in einer Hinsicht zwar mehr zu bieten als viele vergleichbare: er positioniert sich von Anfang an ziemlich offensichtlich als Antikriegsfilm. Macht dem Zuschauer klar, dass all die Schlachten, die es zu bewundern geben wird, eigentlich nur der Aussage dienen: diese Schlachten sind nichts Gutes. Und das ist natürlich schon eins der Kernprobleme des Films: fast nur von Kampf, Ehre, Loyalität und all dem anderen üblichen Sermon lebend, diesen aber auf intellektueller Ebene als verdammenswert bezeichnen. Damit setzt "Three Kingdoms" durchaus seine Existenzberechtigung aufs Spiel.

Jetzt mag man einwenden: "Moment, das macht doch fast jeder Antikriegsfilm der Filmgeschichte so: den Krieg zeigen, seine Leiden zeigen, daraus die Antikriegsaussage entwickeln!" - Ja ok, aber "Three Kingdoms" zeigt keine Leiden. Jedenfalls keine drastischeren oder auch nur für die Protagonisten schicksalhafteren als jene, die jeder x-beliebige Kampf-/Kriegs-/Actionfilm (nicht nur) aus Hong Kong oder generell Asien zeigt. Im Gegenteil, wenn sich die Generäle hier mehrfach darüber unterhalten, dass Krieg wie Schach ist - dann implementiert der Film nur Bewunderung für die genialen Strategien, sicher keine Verachtung für ihr Handeln. Diese wird nur auf einer quasi externen Ebene transportiert. Und wirkt damit kaum glaubwürdig, zumindest aber nicht wie im Zentrum des ganzen Geschehens stehend.

Aber gut, ich bin ja sogar bereit, die Antikriegsmessage als nur aufgepfropfte Pflichtübung hinzunehmen, sozusagen als "Political Correctness-Kompromiss" - wenn damit jemand auf Produktionsseite sein Gewissen beruhigen kann, fein. Die viel größere, wahre Schwäche des Films ist, dass er viel zu viel in viel zu wenig Zeit erzählen möchte. Wenn es um Helden und epochale Bedeutung geht, dann müssen diese auch leben können - dann muss ihnen auch Platz eingeräumt werden. Aber das kann "Three Kingdoms" nicht bieten. Denn er beschäftigt sich mit viel zu vielen Helden.

Zwar steht ein einziger im absoluten Mittelpunkt: Zilong, souverän gespielt von Andy Lau. Der Film verfolgt seinen Werdegang vom einfachen Soldaten im großen Krieg der drei Königreiche im 3. Jahrhundert n. Chr. bis zum obersten Kommandanten aller Streitkräfte seiner Dynastie. Wobei er allerdings zwischendurch schon mal 30 wohl bedeutsame Jahre seines Aufstiegs auslässt - oder sie nur ganz kurz anreißt, wie auch vieles andere, was für die Ausarbeitung des Charakters wichtig wäre. Ein Beispiel: Zilong verliebt sich; der Film macht Anstalten, das auf die übliche Weise aufzublasen... aber bei diesen Anstalten bleibt es auch. Fünf Minuten Liebe, das war's. Kann man ja erst mal absolut erfrischend finden, eine Kitschquelle weniger. Nur: so vieles in "Three Kingdoms" wirkt wie abgebrochen, nur angedeutet, nicht ausreichend etabliert. Nicht einmal unsere Hauptfigur lernen wir so richtig kennen. Sie eilt von Schlacht zu Schlacht; ihr Charakter wird höchstens nebenbei mal etwas näher beleuchtet - aber nicht in dem Licht, das der tragenden Figur eines Heldenepos' angemessen wäre. Dafür mit diversen Handlungs- und Gedankensträngen, die kurz eingeführt, dann aber nie mehr (adäquat) aufgegriffen werden.

Dasselbe Schema gilt aber noch viel mehr, wenn es um die vielen pathosbeladenen Nebenfiguren geht. Dass ihre jeweilige Geschichte und der Hintergrund ihres Denkens und Handelns nicht weiter vorgestellt werden - geschenkt. Aber dass in einem fort neue Nebenhelden, Subhelden, Heldensöhne eingeführt und für maximal fünf Minuten in den Kegel der Pathosscheinwerfer gestellt werden - wir folgen ihnen in schon wieder entscheidende, ruhmreiche Kämpfe rund um irgendwas -, wir aber in einigen Fällen nicht einmal mehr erfahren, wie sie HEISSEN: das spricht Bände.

Figuren, die als von heldenhafter Bedeutung vorgestellt werden und denen wir entsprechend folgen sollen, deren Persönlichkeit uns gegenüber aber bestenfalls nur kurz angerissen und nicht weiter verfolgt, schlimmstenfalls in keinster Weise nähergebracht wird - die taugen nicht als Helden, mit denen man mitfiebern, mitleiden, mitfühlen kann. Und damit wirkt all das Pathos, das rund um sie und ihre kommende "heldenhafte" Tat aufgebaut wird, erst recht lächerlich. Womit sich der Film das vielleicht entscheidende Bein stellt.

Hier hat eine große Erzählung einfach einen zu kleinen Rahmen bekommen. Charakterentwicklungen werden uns höchstens vorgestellt, sie werden niemals nachvollziehbar. Gedanken, Entscheidungen, Verhaltensweisen ebenso. Dazu kommt noch eine inhaltliche Aussage, die der Inszenierung des Films zuwiderläuft - und damit endgültig das Gefühl, dass "Three Kingdoms" schrecklich halbgar geworden ist. Oft ist weniger mehr, hier wäre viel mehr das Minimum gewesen. 5 Punkte, der schicken Bilder wegen.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 3, Frankfurt

01.09.2008, 05:45



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