Just Another Love Story

Being Sebastian

von D.S.
Was für ein faszinierendes Stück Film - einer der ganz wenigen dieses Jahr, der den Betrachter auf eine wirklich unvorhersehbare Reise schickt. Und das, im Gegensatz zu etwa "Tale 52", mit erzählerischer Brillanz und einer bis zum Schluss fesselnden Story.

Einer Story und Narrationstechnik, die mehr als einmal an Paul Auster erinnert. Wer die "New York Trilogie" schätzt, wird "Just another Love Story" lieben - und umgekehrt. Wir werden hier in ein mysteriöses Thriller-Drama nicht nur hineingeworfen, sondern -gezogen. Ganz ähnlich wie die Hauptfigur, der Polizeifotograf Jonas, der mit Julia die Frau seines Lebens kennenlernt. Und durch sie ein ganz neues Leben. Aber auf dieser Welt kommt nichts geschenkt... und man wird niemals etwas wirklich los. Was immer für alle Beteiligten gilt.

Ich tue mich schwer, etwas über die Story zu erzählen, ohne gleich zu viel zu verraten. Denn jede Wendung, die dieser Film nimmt, kommt überraschend und führt zu noch überraschenderen Konsequenzen. Ich mag den Spruch eigentlich gar nicht, aber ich kann doch nur sagen: Am besten gar nichts über die Handlung wissen, sich einfach in den Film setzen - und komplett umgehauen werden. Und gleich gar nicht das Programmheft lesen. Dort wird schon fast alles verraten.

Wer unvorbereitet mit diesem Meisterwerk konfrontiert wird, hat sicherlich am meisten davon: viele Handlungsstränge, die sich zu einem rätselhaften, ja bedrohlichen Knäuel verwickeln und dabei das Vertraute mehr und mehr unter sich begraben, es durch etwas Neues ersetzen, das aber immer schwieriger zu kontrollieren ist. Was ist mit Julia passiert? Was passiert hier eigentlich mit Jonas? Worauf läuft das Ganze hinaus?

Jedenfalls nicht auf Kindergeburtstag, das sei verraten. Dabei ist "Just another Love Story" nicht nur dicht und sehr sehr spannend inszeniert, sondern auch formal hoch interessant: zumindest am Anfang des Films protzt er nur so mit technischen Finessen, die das handlungsseitige Mysterium mehr als nur unterstützen. Dabei habe ich mich mehrfach an Werke von Michel Gondry erinnert gefühlt, gerade "Eternal Sunshine of the spotless Mind" stand für einige Sequenzen definitiv Pate - auch wenn die Stimmung hier natürlich eine ganz andere ist.

Das erste Viertel des Films lässt aber noch nicht unbedingt erahnen, auf was für einen finsteren Ritt Regisseur Bornedal sich mit uns noch begeben wird. Zunächst deutet vieles tatsächlich auf einen Liebesfilm hin, wenn auch sicherlich nicht auf einen gewöhnlichen oder gar kitschigen. Und sogar ein paar Lacher sind drin, wenn nicht unvermeidbar.

Aber dann steigt der Puls im Minutentakt, wir stoßen auf immer mehr Seltsamkeiten und unbeantwortbare Fragen... bis wir zwischenzeitlich, gemeinsam mit unserer Hauptfigur, vollends den Boden unter den Füßen verlieren. Dabei driftet die Story aber niemals in Lynch-Gefilde ab, Symbolhaftes bleibt untergeordnet, das Wesentliche des Films funktioniert auch auf ausschließlich konkreter Ebene - ist ab und an zwar verwirrend, aber steigert sich in seinem Spannungsgrad kontinuierlich und wird somit zu einem Thriller, der uns nicht nur durch clevere Rätsel herausfordert, sondern auch durch eine Wandlung der Hauptfigur, die uns direkt mitnimmt. Denn wir verbleiben stets auf ihrem Wissens- und Wahrnehmungslevel, sehen die Ereignisse fast ausschließlich aus ihrer Sicht, verwirren und verirren uns mit ihr in einer Geschichte, die niemals eindimensional, aber auch niemals selbstgefällig kompliziert angelegt ist.

Was natürlich nur funktionieren kann, da sie fantastisch besetzt ist. Eigentlich ist unsere Hauptfigur ein ganz normaler Kerl. Und wie normal. Aber gerade dadurch werden die von ihr durchlebten Abgründe für uns umso intensiver - da auch ihr Darsteller absolut glaubwürdig von einem Verständnis- und Abbildungslevel ins andere wechselt.

Ein finsteres, hochgradig fesselndes Stück Film. Das immer wieder überrascht und seinen Weg konsequent bis zum Ende geht. Eine echte Perle, und locker 8 Punkte wert - für alle Freunde von Thrillern, Dramen, Krimis oder einfach nur außergewöhnlichen Filmen.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

02.09.2008, 06:55



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