The Art of Negative Thinking

Ein Film von und für Optimisten

von D.S.
Leider ein bisschen so etwas wie eine Mogelpackung: trotz einer hübschen Zahl schwer sarkastischer Sprüche und seiner demonstrativ zur Schau gestellten Ablehnung "pädagogisch wertvollen" Gutmenschentums zelebriert "The Art of negative Thinking" letztendlich genau das Gegenteil dessen, was sein Titel und die Inhaltsangabe erwarten lassen. Dies hier ist ein sehr positiv gestimmter Film, der Hoffnung, Menschlichkeit und den Glauben an das Gute in Jedem abfeiert. Trotz oder vielleicht sogar gerade wegen all der Szenen, in denen plumpen "Denk positiv!"-Phrasen die bittere Realität gegenübergestellt wird.

Falsch wäre es auch zu glauben, der Film würde ein schwarzhumoriges Spaßfeuerwerk abfeiern. Das tut er zwar anfangs recht konsequent, in seinem weiteren Verlauf aber nur noch stellenweise - und insgesamt ist er doch von einem hauptsächlich sehr ernsthaften Ton geprägt. Hier will jemand eine Botschaft vermitteln, und dafür schreckt er selbst vor Kitschmomenten nicht zurück, die fast an "Magnolia" erinnern - wobei die aber wiederum nicht die Größe haben, die jenen stets über den Kitsch erhoben.

"The Art of negative Thinking" schwankt zwischen Melodram und schwarzer Komödie, wirkt dabei leider manchmal unentschieden und holt weder aus dem einen noch dem anderen Metier das Maximum heraus. Zwar vermittelt er viele Wahrheiten und entlarvt so manche Sprüche der fröhlichen Hälfte der Menschheit als eben nur leere, dumme Sprüche - ihm fehlt dabei aber das entscheidende Maß an Bissigkeit, das ihn zu einem wirklich provozierenden Film machen würde. So kann sich hier eigentlich doch fast jeder gut fühlen, niemand wird ultimativ angegriffen. Der Finger wird nur auf oberflächliche Wunden gelegt.

Das klingt jetzt alles härter, als es gemeint ist: der Film macht reichlich Spaß und sorgt, gerade in seiner ersten Hälfte, definitiv für viele Lacher. Dabei schafft vor allem die Hauptfigur Geirr mit seiner verbitterten Schlagfertigkeit immer wieder überraschende, befreiende Momente des Negierens zwar wohlmeinender, aber meist fehlwirkender Political Correctness und entlarvt hauptamtliche Hilfsbereitschaft ein ums andere Mal als Heuchelei.

Allerdings nimmt der Film die Therapiesitzung der Behindertengruppe unter Leitung der Diplomoptimistin Tori im Hause des Berufszynikers Geirr schon allzu bald aus seinem Fokus - dabei liefert gerade die Konfrontation der beiden scheinbar so unterschiedlichen Charaktere den Stoff für die komischsten Momente von "The Art of negative Thinking". Jedes Gefühl von "Einer flog übers Kuckucksnest" in körperbehindert und zynisch ist dann leider auch dahin - es folgt sehr viel zwischenmenschliches Drama und Ernsthaftigkeit. Der Film verliert hier einiges an Tempo und boshaftem Charme, was im letzten Drittel aber wieder ausgeglichen wird durch eine rasante Zuspitzung der Geschehnisse.

"The Art of negative Thinking" unterhält über weite Strecken grandios, gar keine Frage. Meiner Meinung nach verschenkt er aber einiges an Kraft durch seine Unentschlossenheit - wobei diese andererseits dazu beiträgt, die Figuren sehr echt erscheinen zu lassen. Es wird darauf verzichtet, sie nur als Träger von Menschengattungswitzen zu benutzen, sie werden stattdessen als unterschiedliche Individuen nach und nach tiefgehend beleuchtet. Über ein Lachfest geht der Film weit hinaus, sein ernstes Anliegen ist massiv spürbar - und sicherlich auch sehr ehrenwert. Für mich war der Film in seiner Konsequenz als Ganzes so dann aber doch zu süßlich, zu liebevoll, zu menschlich. Was allerdings vermutlich mein ganz eigenes Problem ist.

Auf der Spaßseite hat er mich aber allemal sehr überzeugt, die tieferen Gedanken dahinter muss ich ja nicht als richtig betrachten. Geht mit weltfremden Sozialarbeiterfreunden in diesen Film, dann werdet ihr euch am meisten amüsieren. Zur Sicherheit nehmt ihr einfach den Scheißebeutel mit, dann wird hinterher auch definitiv alles wieder gut ;) Von mir 7 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 3, Frankfurt

02.09.2008, 06:56



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