Downloading Nancy

"What makes you so special?"

von The_Coma-man
DOWNLOADING NANCY stand dieses Jahr für mich ganz weit oben auf der Liste: der Überraschungserfolg vom Sundance, Maria Bellos schon vielgelobte Darstellung und ein mehr als interessantes Thema machten "Nancy" zum Pflichtprogramm.

Doch ganz ehrlich, den Lobeshymnen hier kann ich mich ganz und gar nicht anschließen.
Vielleicht weil es schon eine Menge wesentliche besserer Filme zu dem Thema gibt, oder man in seinem Leben ähnlichem schon Mal begegnet ist - DOWNLOADING NANCY hat mich vollkommen enttäuscht.

Zu erst zum Guten:
Maria Bello spielt tatsächlich bestechlich. Ihre Darstellung eines zerstörten Charakters ist überzeugend und eine Tour de Force. Zu schade, dass der Charakter, den sie spielt, wirklich schmerzhaft aufs eigene Leid konzentriert ist. Angesprochen während des Filmes, warum Nancy denn denkt, dass sie so "besonders" ist, dass ihr Leiden so groß ist, dass sie nicht mehr Leben möchte, setzt sie nur einen grundlosen Wutanfall entgegen. Dem Zuschauer werden zwar immer wieder Anhaltspunkte gegeben, woher ihr Zustand stammen könnte (Missbrauch, lieblose Ehe etc.), doch schafft der Film nie eine nötige Balance zu finden. Rufus Sewell als liebloser Ehemann trägt mit einer höchst übertriebenen Performance auch nicht zum positiven Eindruck bei.

Je weiter der Film voranschreitet, um so unnachvollziehbarer werden die Handlungen der Protagonisten, es scheint, als würde sich der Trotz Nancys auf die anderen Figuren legen, bis die einzelnen Charaktere spätestens in der Mitte des Films so merkwürdig agieren, dass man sich nur noch in einem Kunstprodukt wähnt, und nicht mehr in der Darstellung eines realistischen Leidens (oder einer realistischen Krankheit).

Kamera und Regie sind überraschend blass (trotz Christopher Doyle), die Nebenfiguren bleiben schemenhaft und es fällt einem zunehmend schwerer nachvollziehen zu können, warum jeder der Protagonisten nur noch den Ausweg in der Katastrophe sieht.

Als Fazit bleibt ein Film, dessen Thema in anderen Filmen sowohl wesentlich besser behandelt wurde, der die realistische Seite einer Krankheit wie manischer Depression oder dem Borderline Syndrom zeigen möchte, dafür aber zu künstliche Charaktere und eine zu unnachvollziehbare Handlung schafft, um wirklich zu überzeugen.
The_Coma-man
sah diesen Film im Cinemaxx 7, Berlin

02.09.2008, 10:03



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