Repo! The Genetic Opera

Review einer protzigen Oper

von Acrylamid
Sei es der South Park Film, die "very special Episodes" von Scrubs und Buffy oder die Beatles-Hommage Across the Universe: Eigentlich bin ich ja ein Fan von filmischen Musicals, vor allem wenn die Szenerie und Story erstmal nicht für ein Musical typisch sind (was auch für REPO gilt) und sich dabei über die Konventionen dieses für viele bizarren Genres ("Warum singen die?") etwas lustig gemacht wird (was hier nicht gilt, REPO strotzt zwar nur so vor Coolness, aber wer bei der Beschreibung "Rock-Oper über Organtransplantationen" denkt, dass das Produkt witzig oder gar selbst ironisch sein würde, der irrt... wie es auch mir passiert ist).

Solange in solchen Filmen die Songs so einschlagen, dass ich hinterher gar nicht erwarten kann, sie mir auf DVD oder Soundtrack wieder und wieder anzuhören, ist es mir erstmal egal, wie inhaltsleer sie sind. Leider konnte ich hier solche Granaten nicht finden. Lieder, die ich "gut" (nicht mehr und nicht weniger) fand, ließen sich leider an einer Hand abzählen, dafür gab es noch dutzend andere Lieder, die so melodielos und überflüssig wie nur möglich daherdudelten. Die Schauspieler gaben diese Texte dann oft in einer Mischung aus Singen und Sprechen wieder, was wohl auch an der Eintönigkeit der instrumentellen Begleitung lag. Ich mag ja eigentlich Rock und Metal, aber natürlich gibt es hier auch aufregendere und langweiligere Lieder. In diesem Fall fielen die meisten für mich in die zweite Kategorie, weniger wäre hier wirklich mehr gewesen; 90 Minuten gute Musik und neue Melodien für einen Film zu finden ist eben doch ein bisschen viel verlangt. Hätten mehrere Gespräche mal ohne Musik stattgefunden, hätten die guten Lieder auch besser herausstechen können.
An diesem größten Kritikpunkt zeigt sich aber auch wie subjektiv dieses Review ist: auch beim hochgelobten Sweeney Todd hatte ich das Problem mit Liedern, die mich kalt ließen.

Wenn mich schon die Musical-Aspekte enttäuschten, hätte die Story das ganze trotzdem noch hochreißen können. Hat es aber nicht.
Die Geschichte ist relativ verwinkelt mit zahlreichen Figuren und Handlungssträngen, von denen die meisten mich aber nicht interessiert hatten und auch bis zum Ende des Films keine spannenden Entwicklungen hervorbrachten.
Inhaltlichen Lücken gab es auch: Da duellieren sich zwei ältere Herren, von denen der eine es immer noch nicht verkraftet hat, dass der andere ihm damals die Frau wegschnappte. Mittlerweile hat er selbst aber drei Kinder - wer war deren Mutter? Ist egal, schließlich geht es einfach darum, dass die Kinder storytechnisch nötig sind, ebenso die Bitterkeit über diese andere Frau, da würde die Erwähnung der Mutter nur stören.
(Sollte ich mich an dieser Stelle irren und diese wurde doch erwähnt, tut es mir Leid. Ich hatte durchaus den Eindruck, nicht alle Punkte der Story komplett verstanden zu haben, aber das werte ich eher als Mangel des Erzählstils des Films als dem meiner Auffassungsgabe....)
Ein bisschen enttäuscht hat mich auch, dass das Thema "Rückgängigmachung einer Organtransplantation aus kommerziellen Gründen" eigentlich nur Aufreißer war, um eine Tragödie über zwei Familien zu erzählen. Kritik an der bzw. Satire über die heutigen Gesellschaft anhand einer dystopischen Zukunft als Zerrspiegel konnte ich nicht erkennen, die titelgebende REPO-Thematik blieb leider nicht mehr als ein zugegeben cooler Einstieg.

Was positiv heraussticht, ist die Optik. Zwar nicht nach jedermanns Geschmack, aber einen hohen Aufwand und gewisse Originalität kann man ihr nicht absprechen. Schön auch die Idee, die Hintergründe der Figuren im Comic-Stil abzubilden - leider waren diese, welche in fünf Minuten aufgezeigt wurden, viel interessanter, als alles, was sich in den anderen 90 daraus entwickelte. Nerviges Rumzoomen und Kamerafahrten taten den Comic-Bildern aber keinen Gefallen, so wie es mir die Hektik im Schnitt allgemein schwer gemacht hat, den Look wirklich zu genießen.

Positive Aspekte waren also die Optik und Einzigartigkeit der Thematik (auch wenn diese dann doch nicht konsequent ausgenutzt wurde). Man merkt richtig, dass hier jemand (bzw. mehrere) voll und ganz hinter einem Projekt stand(en) und der Film kompromisslos umgesetzt wurde. Leider ist das Produkt dann nach meinem Geschmack dennoch ein schlechtes, das liegt aber ganz an meiner subjektiven Wertung der Lieder. Technisch sicher ok, aber melodisch eher langweilig und ohne richtigen Schmackes. Wenn jemand an den Songs wirklich Gefallen gefunden hat, kann ich auch gut nachvollziehen, dass er dem Film 7,8 Punkte gibt, schließlich füllen die Lieder so viel des Filmes, dass sie auch die Wertung entscheiden (müssen). Aber auch wenn ich die Musik mehr gemocht hätte, bei der Story hätte ich dennoch beide Augen zukneifen müssen...
Acrylamid
sah diesen Film im Cinecitta' 3, Nürnberg

03.09.2008, 13:41



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