Downloading Nancy

Uploading Review

von Acrylamid
Unter dem Namen "Downloading Nancy" konnte ich mir wenig vorstellen, ebenso passend hätte er als "The Art of Negative Thinking" oder "Just another Lovestory" firmieren können. Jedenfalls erwartet einen ein Film, der wenig klassische Handlung, dafür viele kleine Ereignisse darstellt. Die einzelnen Puzzlestücke liefern ein trauriges, tragisches Bild über das Leben dreier Menschen. Manche Szenen haben aber auch den Effekt, dass man lachen muss um nicht zu weinen, manchmal mit den Figuren, manchmal über sie, manchmal beides.

Nancy, eine Frau zerrieben zwischen Schmerz und ihrem abnehmenden Lebenswillen, macht sich auf eine Reise nach Baltimore um Louis zu treffen, den sie im Internet kennengelernt hat, ohne ihrem Ehemann Albert zuvor etwas davon zu erzählen.
In ständigen Zeitsprüngen werden typische Einzelerlebnisse über die Figuren erzählt; durch die Figurenkonstellationen hat man als Zuschauer aber nie Probleme mit der zeitlichen Einordnung.
Die eine Zeitebene spielt vor Nancys Abreise und präsentiert Szenen einer Ehe und Besuche bei der Therapeutin.
Die nächste zeigt Nancy bei Louis und den zurückgebliebenen Albert.
Schließlich sieht man, wie Louis Albert einen Besuch abstattet.
Die Spannung erschließt sich weniger daraus, was passieren wird, vielmehr, warum es passieren wird. Man versucht Nancy zu verstehen, leidet mit ihr mit, schaut sie entsetzt an, zweifelt.

Als Zuschauer fällt es schwer, einen "Schuldigen" zu benennen, von Szene zu Szene wechseln die Sympathien, die man empfindet, obwohl sich die Figuren doch alle in sich konsequent verhalten. Antworten gibt der Film keine, dafür stellt er viele Fragen:
Wer ist Opfer, wer Täter, wer Nutznießer?
Wie soll man mit seinem Schmerz umgehen?
Was soll man tun, wenn das Leben nicht mehr lebenswert erscheint?
Wer kann helfen - der Ehemann, ein Unbekannter, die Therapeutin, man selbst?
Und wie kann Hilfe aussehen?
Können die Wunden der Vergangenheit überhaupt jemals heilen?

Der Film maßt sich nicht an, dafür Antworten zu finden.
Kann reine menschliche Empathie anderen helfen, sich selbst zu helfen?
Der Film bejaht diese Hoffnung zwar nicht, weckt aber doch im Zuschauer den Antrieb, im Zweifelsfall noch geduldiger mit seinen Mitmenschen und deren Problemen zu sein, den anderen nicht allein zu lassen.
Und das ist doch schon eine Menge Positives für so einen negativen Film.
Acrylamid
sah diesen Film im Cinecitta' 2, Nürnberg

04.09.2008, 12:15



Weitere Informationen (externe Links):
Unterstütze f3a.net durch einen Kauf bei unseren Partnern:
amazon.de€ 9,99


Der tatsächliche Preis kann abweichen! Preise werden max. stündlich aktualisiert. Markierte Preise sind seit dem letzten Abruf ↓ gesunken oder ↑ gestiegen.
loading