crazy

Musa

Review

von Mirco Hölling
China im 14. Jhd. Die Ming-Dynastie hat soeben in dem von Machtkämpfen erschütterten Land die Herrschaft übernommen. Eine Delegation von Diplomaten und eine kleine Schar Schutzsoldaten aus dem benachbarten Korea möchten den neuen Herrschern ihre Aufwartung machen, werden aufgrund eines politischen Mordes an einem Ming-Vertreter aber festgesetzt und ins Exil gezwungen. Auf dem Weg ins Exil wird der von Ming-Soldaten geführte Treck von einer Horde Mongolen angegriffen, die im Norden den stärksten Feind des Reiches darstellen. Alle Ming-Soldaten werden massakriert, die Koreaner jedoch freigelassen.

Ohne Nahrung, Wasser und Hoffnung bahnt sich dieser kleine Trupp nun den Weg nach Hause durch die Wüste. Auf dem Weg geraten sie schon wieder an eine Schar Mongolen, die eine Mingprinzessin gefangen halten. Kurzentschlossen befreien die Koreaner die chinesische Prinzessin, um sich mit dem Ming-Regime wieder gut zustellen.

Auf der Flucht vor den nun äußerst wütenden Mongolen kommt es zu Machtkämpfen zwischen den koreanischen Soldaten aus zwei verschiednen Provinzen, den Zivilisten, einem schweigsamen Sklaven und der Prinzessin. Letztendlich verschanzt man sich in einer verlassenen Ming-Festung, in der es dann zur finalen Schlacht mit den Mongolen kommt......

Korea hat in den letzten Jahren eine Tradition der Blockbuster entwickelt. Erst kam "Shiri", später dann "Tell me Something", "Joint Security Area" und jüngst "Friend". Der Unterschied zum Blockbuster amerikanischer Prägung liegen in der Stimmung, der größeren Originalität und der nie Vertuschungsversuchen ausgesetzten asiatischen Herkunft.

"Musa: The Warrior" nun erfreute sich einer regen Erwartungshaltung, da sich der Kinostart aufgrund der aufwendigen Dreharbeiten und der ebenso aufwendigen Post-Production immer wieder bis auf Sept. 2001 verschob. Und man kriegt auch ne ganze Menge geboten fürs Geld. In der Produktion steckt viel Finanzkraft, Sorgfalt, Mühe, unglaubliche Tricks, ein bekannter Regisseur (Sung-su Kim, "Beat") und bekannte einheimische Darsteller. Da wären z.B. Woo Sung Jung, der in "Happy End" den jugendlichen Liebhaber gab, Sun-kee Ahn aus "Nowhere to Hide" und nicht zuletzt die bezaubernde Zi Yi Zhang aus "Crouching Tiger, Hidden Dragon" als Prinzessin, die übrigens schon vor dem großen Welterfolg bei Musa unterschrieben haben soll. Den Fans der letztgenannten sei jedoch gesagt, daß ihre Rolle eher passiv, mädchenhaft ist.

Musa ist richtig großes Kino. Alles ist breit und episch angelegt. Die Stunts sind atemberaubend. Die Kinematographie berückend schön und mit dem Breitwandformat der eigentliche Star des Films. Die Laufzeit von ca. 160 min wird zwar nicht zu lang, trotzdem hätte die eine oder andere Straffung dem Film ganz gutgetan. Das Problem ist nämlich: speziell zu Anfang ist der Erzählrhythmus etwas fahrig, so daß man Schwierigkeiten hat, der Geschichte zu folgen. Später beruhigt sich dies zwar, jedoch bleibt eine 100%ige Identifikation des Zuschauers mit den Figuren aus, da speziell Woo Sung Jung seine Rolle des schwertschwingenden schweigsamen Sklaven ein wenig zu hölzern auslegt. Aber das ist sicher immer ein großes Problem von Blockbusterfilmen: Personenführung und differenzierte Darstellung bleiben auf der Strecke. Im Vergleich mit ähnlich angelegten Produktionen aus Hollywood ist das Problem hier jedoch nur rudimentär, da der Film speziell gegen Ende ein gehöriges Maß an Emphatie auslöst.

Überhaupt ist Musa ganz anders als seine US-amerikanischen Kollegen. Die Story wird auffallend düster erzählt. Auffällige Hinwendungen der Personen zum Guten gegen Ende finden nicht statt. Man muss jederzeit um die liebgewonnenen Charaktere fürchten, da diese schon von Anfang an vom Drehbuch gnadenlos dahingemetzelt werden. Auch die Strukturen innerhalb der Gruppe stellen sich auf den Kopf: Der koreanische General und die chinesische Prinzessin (vom Zuschauer schnell als Protagonisten ausgemacht) verlieren permanent an Autorität und Einfluss. Befehlsstrukturen verschwimmen, keiner weiß mehr wer etwas zu sagen hat. Dieser interessante Kniff des Drehbuches ist für einen derart dimensionierten Film löblich und funktioniert sogar ganz ansprechend.

Ein weiterer Unterschied zum US-Kino liegt in der Drastik der Kampfszenen. Zwar standen für diese wohl mehr "Braveheart" und "Gladiator" Pate, als asiatische Schwertkampffilme (inkl. hochauflösender Kamera mit kurzen Verschlusszeiten), jedoch wird gnadenlos draufgehalten und das Blut spritzt eimerweise. Man fühlt sich mittendrin statt nur dabei.

Alles in allem ein Film, der sich lohnt und für die Amis ein Lehrstück zur Erstellung von guten Blockbustern. Da der Film für Verleiher wie Rapid Eye Movies sicherlich zu teuer sein dürfte, kann man auf eine Kinoauswertung hierzulande vermutlich nur im Rahmen von Festivals hoffen.

Mirco Hölling (08.05.2002)
Mirco Hölling

02.06.2003, 10:19



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