The Chaser

Regiedebut

von Frank
The Chaser ist ein Cop vs. Serienkiller Film aus Südkorea, dessen Story sich allerdings vom klassischem Muster dieses Subgenres - Detective stößt auf Serie von Mordfällen, geht Spuren nach und verdächtigt jemanden, dem umständlich die Tat nachgewiesen werden muss - unterscheidet.
Auch entspricht der Täter so gar keinem bekannten Serienkillerbild. Gleiches gilt für seine Motive.

Der Zuhälter Joong-ho, gespielt von Kim Yun-Seok, war einmal Detective. Nun ist er Zuhälter, will mit den Menschen möglichst wenig zu tun haben und vermietet Frauen an zahlende Kunden. Doch sein Geschäft läuft schlecht. Zwei seiner Frauen sind einfach verschwunden. Um einen Kunden zu bedienen, überredet er die Kranke Mi-jin (Seo Yeong-hie), den Abend zu arbeiten. Er wird misstrauisch, als er feststellt, das auch seine vermissten Mädchen vom gleichen Kunden angerufen wurden. Mi-jin ist nicht zu erreichen...

Ziemlich früh im Film gibt es einen Verdächtigen, der die Tat noch nicht einmal bestreitet. Glaubt man anfangs noch, der "Chaser" setzt sich vor allem des Geschäfts wegen für Mi-jin ein, sehen wir bald einen Mann, der hier um etwas kämpft, als wäre es sein eigen Fleisch und Blut. So manche (Ami-)Produktion verblasst in diesem Punkt, wenn sie zum 'zichten Mal um ihre Familie kämpfende Väter/Cops zeigt. Joong-ho zeigt wahre Besorgtheit und aufrichtigen Einsatz um eine menschliche Seele. Die Wandlung seiner Figur im Film ist beachtlich.

The Chaser ist allerdings in der Zeichnung einiger Figuren nicht tiefschichtig genug, vor allem, wenn man seine Länge von gut 120 Minuten bedenkt. Hier wäre mehr drin gewesen, insbesondere, was den ermittelnden Cop angeht.
Das Schöne ist andererseits aber auch, dass die Beweggründe und Motive der Hauptfiguren gar nicht in der Tiefe hinterfragt werden müssen, da der Täter, so viel erfährt der Zuschauer sehr schnell, "nur" eine kranke Seele ist und nicht, wie sonst üblich, religiös, politisch oder sonst wie motiviert nach Aufmerksamkeit sucht. Dieser Killer braucht und kann sein Handeln nicht hinterfragen. Ihm eine Geschichte zu geben, die das erklärt, wäre zwar denkbar, nähme dem Film jedoch das Unmittelbare und damit die Dramaturgie, die ihn ausmacht. Gleiches gilt für unseren Zuhälter und Ex-Detective. Er ist einfach da, ohne dem Zuschauer durch eine zu tiefe Kenntnis seiner Vorgeschichte und zuviel Verstehen seiner Figur womöglich genau das Staunen zu nehmen, welches sein (unmittelbares und emotionales) Handeln und sein sich entwickelndes menschliches Mitfühlen bewirken können.
Die Hauptdarsteller spielen ihre Rollen sehr überzeugend, was einiges dazu beiträgt, die Spannungsschraube im Duell der beiden anzuziehen.

Was die Farbwahl, aber auch das Arrangement der Bilder angeht, fällt dieses Regiedebut nicht besonders auf. Insgesamt eher blass und unoriginell im Einsatz der Möglichkeiten dieses Stilmittels ist The Chaser hier nur oberer Durchschnitt.

Fazit

The Chaser ist meiner Ansicht nach seit langem mal wieder ein Thriller, auf den der Begriff packend zutrifft. Er ist ergreifend und hinterlässt in seiner Härte einen bitteren Nachgeschmack.
Frank

23.11.2008, 02:00



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