Shiver

Review

von Frank
Da sind sie wieder, die Spanier, mit ihrem Gespür für das subtile Grauen, das sich manchmal genau dort verbirgt, wo man es am wenigsten erwartet.

Santi leidet an Photophobie, er reagiert allergisch auf Licht. Im sonnigen Spanien bereitet ihm dieses einige Probleme, außerdem erschwert ihm seine Krankheit soziale Kontakte. Also verlässt er kurzerhand zusammen mit seiner Mutter die Stadt, um in einem Dorf in den Pyrenäen ein “normales“ Leben zu führen. Dort aber beginnt irgendeine Kreatur Schafe zu reißen, wenig später gibt es die ersten menschlichen Opfer. Dummerweise war Santi immer in der Nähe des Tatorts. Er wird verdächtigt. Den Neuankömmlingen in dem kleinen Dorf begegnet man mit Argwohn.

Typisch im spanischen Film ist es ja schon, unnötiges wegzulassen (auch unnötige Dialoge) und Personen parallel zum sich entwickelnden Plot vorzustellen, indem sie während alltäglicher Dinge in ihren Handlungen und Reaktionen zeigen, wer sie sind. Auch "Shiver" beweist hier viel Gefühl. So einige (Neben) -Handlungsstränge hätte er aber gerne etwas mehr ausbauen dürfen. Das der junge Santi z.B. ein Mädchen auf seiner Schule kennen lernt, mit der er sich gut versteht, ist bei seiner Vorgeschichte sehr wichtig für ihn. Darauf geht Shiver nicht weiter ein, hätte aber den Charakter des Jungen noch detaillierter vorstellen können. Gleiches gilt für die Ehe seiner Mutter.

Subtil und fein, meistens auf engere Bildausschnitte fokussiert, führt die Kamera den Zuschauer souverän durch den Film. Was nicht bedeutet, das sie das Grobe nicht erkennt. Sie ist auch direkt, holt die Personen in den Mittelpunkt des Geschehens, ist den Protagonisten sehr nah, häufig direkt hinter ihnen, und transportiert Neugierde. Sie versteht es, den Betrachter zu lenken. Für die Aufnahmen der wunderschönen Landschaft macht sie Ausnahmen und belohnt mit Panoramaansichten.
Dezent ist auch der Sound. "Shiver" wurde sehr sparsam und passend mit einzelnen Klavierakkorden und Streichern vertont.
Die Schauspieler waren mir vor Shiver allesamt nicht bekannt, ich fand das Ensemble aber sehr passend zusammengestellt. Besonders der lichtscheue Santi (der junge Mann heißt Junio Valverde) hat mir gut gefallen.

Ein paar Überraschungen erwarten den Zuschauer. Bis es wirklich spannend wird, gilt es Licht, Kamera, Landschaft und den untypischen Charakter dieser Produktion zu genießen. Dann darf man sich versehentlich auch mal kurz an den Nägeln kauen.
Hat mir insgesamt ziemlich gut gefallen, trotz einiger Drehbuchschwächen.
Die Art von Abschlusssequenz wird wohl niemals ganz aus dem Grusel- Horrorgenre verschwinden.
Frank

10.12.2008, 00:12



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