The Good, the Bad, the Weird

Sergio Leone auf Speed

von GeorgeKaplan
Once upon a Time in the East, genauer gesagt, um 1942, denn im Kino läuft gerade "Casablanca": Drei Gangster - ein Kopfgeldjäger (der Gute), ein Killer (der Böse) und ein Zugräuber (der Verrückte) - sind hinter einem Schatz her. Und dazu eine ganze Gangsterbande ... und die japanische Armee.

Wer es mit Sergio Leone bereits im Titel aufnimmt, gibt ein ganz großes Versprechen ab und macht sich das Leben nicht leicht. Und ganz anscheinend überhebt sich Kim Ji-Woon etwas dabei. Aber der Reihe nach:

Neben der exakten Ausgangssituation von "Il Buono, il Brutto, il Cattivo" (mit jenem irreführenden deutschen Titel "Zwei glorreiche Halunken") übernimmt der Film auch den historischen Background. Bei Leone war es der amerikanische Bürgerkrieg, hier ist es die japanische Okkupation, dem koreanischen Nationaltrauma. Weiterhin finden wir eine Entsprechung zum Strafmarsch durch die Wüste und zum Schluss-Triell. Dazu kommen etliche Filmzitate aus dem Werk von Leone: sei es das Motorrad aus "Todesmelodie", die Flucht aus dem Stall aus "Für ein paar Dollars mehr" oder seien es Zitate aus "Spiel mir das Lied vom Tod", speziell zu Anfang bei der Zugszene und der Variation des Cheyenne-Themas im Soundtrack. Angesichts des Zitatenreichtums müsste man vor Ehrfurcht erstarren.

Aber wo Sergio Leone sich auf Details konzentrierte und mit endlos langen Einstellungen Spannung aufbaute, die sich urplötzlich in Gewalt entlädt, liefert "The Good, The Bad and The Weird" ein Stakkatoschnittspektakel mit einer Kamera ab, die überhaupt keine Zeit hat, die Einstellungen, die sie findet, auch mal auszukosten. Stattdessen hastet sie atemlos den drei Protagonisten bei Ihrer Jagd nach dem Schatz und dem Chaos drumherum hinterher.
Und überspielt dabei das im Grunde ausgesprochen schwache Drehbuch.

Von Clint Eastwoods Lässigkeit, seine Gegner mit Grips und Cleverness aus dem Weg zu räumen, sind die Helden von heute weit entfernt. Wer in Korea nicht drauflos ballert, hat anscheinend keine Eier in der Hose, und darum wird permanent das Gegenteil bewiesen. Kommt der Film tatsächlich mal zur Ruhe, wirkt er seltsam sinnentleert.

Don’t let me be misunderstood: In einzelnen Szenen, speziell zu Beginn und der Schlacht in der Wüste bekommt der Film die Höchstwertung. Nur mittendrin fehlt einfach jede Dramaturgie, die wichtig ist, um die beiden Höhepunkte zu verbinden. Ich bezweifle, dass massive Kürzungen den Film besser machen. Es waren ja nicht zu viele Szenen drin, sondern die Szenen selbst sind das Problem. Dazu kommt, dass die Action zu selten wirklich funktioniert, vielleicht auch, weil das Fleckchen Wüste permanent das gleiche ist.

Ich kann jeden verstehen, der diesen Film angesichts seiner optischen Nummernshow auf den Podest hebt. Mich hat das Spektakel allerdings merkwürdig kalt gelassen.
GeorgeKaplan
sah diesen Film im Cinedom 9, Köln

23.03.2009, 19:55



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