Wer bei "Push" einen Superhelden-Film erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden, denn hier geht es nicht um eine organisierte Truppe in schicken Kostümen mit geheimer Basis und tonnenweise Gadgets, die den gleichermaßen gut ausgerüsteten Superschurken das Handwerk legen. In diesem Film sind es höchstens die Regierungsagenten, die über solche Mittel verfügen.
Die Protagonisten dagegen sind allesamt Individuen vom Rand der Gesellschaft, Aussteiger, Loser, Trickbetrüger, die ihre paranormalen Fähigkeiten zumeist nicht einmal besonders gut beherrschen, und eher unfreiwillig und gegen ihren Willen in die Geschehnisse verwickelt werden. Die Bezeichnungen der Fähigkeiten - Pusher, Sniffer, Bleeder - klingen nicht umsonst nach Slang aus dem Drogenmilieu. Insofern zeigt "Push" eher den Überlebenskampf von Underdogs gegen das System.
Die Kulisse Hong Kongs bietet dazu ein passendes Cyberpunk-artiges Sprawl-Setting, welches das Kontrast-Thema des Films noch unterstreicht: Die heruntergekommenen Altstadtviertel gegen glänzende Hochauskomplexe, der Moloch Stadt gegen im Gewusel geradezu verlorene Individuen, das Nicht-Ganz-Dazugehören der Ausländer in der asiatischen Lebenswelt. Dennoch ergeben sich dadurch wunderschön exotische Bilder.
Leider schwächelt der Film etwas in der Darstellung seiner Hintergrund-Story; wenn alle Regierungen der Welt solch mächtige paranormale Divisionen unterhalten, warum gibt es dann nur eine Handvoll US-Agenten zu sehen? Und warum interessiert sich für die Geschehnisse niemand sonst ausser einer lokalen Triaden-Familie? Bei diesem Anspruch hätte hier mehr geboten werden müssen.
Fazit: Wenn man "Push" nicht in eine Genre-Schublade steckt, sondern unvoreingenommen anschaut, ist der Film allemal sehenswert! |