Blood: The Last Vampire

Flieg, Matrosengirl, flieg!

von D.S.
Ich weiß gar nicht, wo ich bei meinem Ärger über BLOOD anfangen soll. Bei der dümmlich-aufgeblasenen, nichtigen Story und den grotesk plumpen Figurenzeichnungen wohl eher nicht - schließlich handelt es sich hier um eine Anime-Realverfilmung, sämtliche Plattheiten sind also der Vorlage geschuldet. Was die unfreiwillige Komik in Serie allerdings nicht mindert... Nein, dann wohl eher beim Creature Design, dessen Ergebnisse mit "lächerlich" nicht annähernd adäquat umschrieben sind. Oder bei der Action-Choreographie, wenn an baumstammdicken Drahtseilen über Häuserschluchten oder Feindesmassen hinweggesprungen wird und Eleganz offenbar ein nie gehörtes Fremdwort ist. Oder, ha, ich hab’s: bei den visuellen Effekten. Das CGI ist eine einzige Frechheit - das reichlich vergossene Blut sieht aus wie von unbeholfenen Grundschülern mit Wasserfarben über die Leinwand gekippt. Und schafft es ganz locker, dem Film die Hälfte seiner Wirkung zu nehmen.

Nun ist ja nicht alles schlecht bei der elegischen Aufarbeitung des Kampfes unserer guten Vampirin Saya gegen die nicht so guten Vampirhorden ihrer persönlichen Nemesis Onigen. Art Direction und Set Design sind sogar ziemlich beeindruckend, das Auge wird kräftig umschmeichelt - jedenfalls so lange, bis es zum nächsten Kampf und den nächsten peinlichen Tuschefontänen kommt. Und ganz generell: eine zuckersüße Vampirkillerin im japanischen Schulmädchendress, die erst zusticht und dann fragt - das geht prinzipiell mehr als in Ordnung.

Aber die Story ist einfach gar zu dünn, trotz netter Prämisse: in einer Alternativrealität ist das 1970er Japan von Vampiren unterwandert, die menschliche Form angenommen haben, um sich inmitten ihrer Opfer frei bewegen zu können. Nur eine mysteriöse, regierungsnahe Geheimorganisation namens "The Council" weiß darum und schickt Saya auf den Feldzug gegen die Obervampirin Onigen - mit der sie auch noch ein paar ganz persönliche Rechnungen offen hat.

In der Umsetzung reduziert sich das Ganze jedoch fast ausschließlich auf ein paar Fights gegen cartoonartiges Kanonenfutter, einen eher jämmerlichen "Boss-Gegner" sowie den viel zu kurz und unspektakulär ausgefallenen Showdown; unterbrochen von unbeholfenen "Council"-Einschüben und einem ziemlich nervigen weiblichen Sidekick unserer Heldin, der eigentlich nichts weiter tut als eben an ihrer Seite anwesend zu sein - ziemlich wenig Handlung für einen ganzen Spielfilm. Für dessen Genuss beim FFF man übrigens sein Japanisch-Wörterbuch griffbereit haben sollte: ein Fünftel des Films bietet faszinierenden japanischen Dialog ganz ohne Untertitel.

Zusammengefasst ist BLOOD ein Bubblegum-Adventure mit ein paar netten Schauwerten, aber auch ein paar wirklich schwer verdaulichen visuellen Krankheitsbolzen. Diese führen ein ums andere Mal zum Fremdschämen, und darum zu insgesamt maximal 4 Punkten. Ohne die Schuluniform wäre es noch einer weniger.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

28.08.2009, 05:37



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