The Sniper

Kein Headshot

von D.S.
Dante Lam hat einiges an Action-Erfahrung vorzuweisen. So drehte er unter anderem OPTION ZERO und HIT TEAM - geradlinige Bloodshed-Thriller, die keine Gefangenen machen, sondern furios zur Shootout-Sache kommen. Aber ein genauerer Blick auf seine Filmographie zeigt, dass er scheinbar alles nimmt, was kommt - von der RomCom über das Liebesdrama bis zum Fantasyfilm (wie etwa TWINS EFFECT).

Ähnlich beliebig und eben nicht auf dem Punkt wirkt dann leider sein neuestes Werk: THE SNIPER, mit dem ewigen Milchbart Edison Chen in einer der Hauptrollen. Er spielt den jungen Polizisten OJ, der frisch für das Sniper Team der Hong Kong Police rekrutiert wurde und heiß darauf ist, zu beweisen, dass er der beste Schütze überhaupt ist. Das wäre dann Storyteil 1, der uns immer wieder oberkörperfreie Testosteronhaufen mit prolligsten Sonnenbrillen beim Scharfschützentraining vorführt, unterlegt von schmalziger Musik und pathetischem Loyalität-Ehre-Ehrgeiz-Voice-Over.

Storyteil 2 bringt uns Lincoln und Hartmann (sic!) näher - ihres Zeichens die beiden tatsächlich besten Sniper und langjährige Team-Rivalen. Heute allerdings ist nur noch Hartmann bei der HKP angestellt und leitet eine Einheit voller Schützen mit so duften Namen wie Rabbit, Metal oder auch Forest King. Lincoln hingegen kommt eben erst von einem vierjährigen Knastaufenthalt wegen Totschlags zurück: bei einer Geiselnahme hatte er eigenmächtig gehandelt und en passant eine Geisel erschossen. Im folgenden Gerichtsverfahren wollte ihn keiner seiner Kollegen entlassen - und deshalb ist Lincoln nun reichlich angefressen und sucht nach Rache...

Storyteile 3 und 4 sind nicht weiter wichtig, drehen sich um das Ehe- und Familienleben aller Beteiligten und werden immer wieder mal einfach so eingestreut - offenbar hatte da der Drehbuchautor gerade dringend eine Pause von der tatsächlichen Handlung nötig. Kein Wunder, dass das öfter vorkommt, denn so schrecklich viel gibt sie nun mal nicht her. Ex-Cop will sich rächen und zeigen, dass er immer noch der beste ist; Chef-Cop will ihn aufhalten und zeigen, dass er noch einen Ticken besser ist; Neu-Cop will den beiden anderen nacheifern und zeigen, dass er eigentlich ja sogar alles noch mal besser kann. Wenn er sich nur mal endlich entscheiden könnte, ob er beim Schießen lieber ruhig durchatmen oder den Atem anhalten sollte...

Nun muss man ja bei einem insgesamt eher schmutzig (bis trashig) gelagerten HK-Film weiß Gott keine Storymeisterleistungen erwarten. Zumindest aber gehörig Action. Dieses Minimalversprechen löst THE SNIPER aber leider nicht ausreichend ein: erst zum Showdown bekommen wir eine größere Portion dessen geboten, was wir eigentlich alle die ganze Zeit sehen wollten, nämlich Sniper-Shootouts. Die 80 Minuten vorher werden zwar auch regelmäßig durch - "normale" - Actionsequenzen unterbrochen, mindestens ebenso viel Raum nehmen jedoch großteils inhaltsleere Dialoge und unnötig verschachtelte Nebenhandlungsstränge ein.

So wirkt der Film insgesamt eben nicht straight genug. Ganz so, als habe man versucht, der Actiongülle auf Teufel komm raus eine ernsthafte Hülle zu verpassen - was leider in kompletter Lächerlichkeit und viel zu geringem Adrenalinfluss resultiert hat. Ärgerlicher Flop, von dem am Ende nur die Extra-Tonne Kitsch in Erinnerung bleibt - 3,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

29.08.2009, 02:58



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