crazy

Van Diemen’s Land

Trübe Aussichten

von D.S.
Respekt für die Kameraarbeit. Respekt für die darstellerischen Leistungen. Respekt für den Authentizitätsfaktor - der unter anderem dazu führt, dass locker die Hälfte der Dialoge in Gälisch geführt wird (wobei dankenswerter Weise der komplette Film untertitelt ist). Tatsächlich fühlt man sich schon nach kurzer Zeit ganz in der Haut der Protagonisten: im 18./19. Jahrhundert, am sprichwörtlichen Ende der Welt, bei Kälte und Dauerregen ohne Verpflegung und ohne Aussicht auf Rettung durch nicht enden wollenden Urwald marschierend.

Das fühlt sich nach Qual an, nach Monotonie, nach Verzweiflung. Bringt VAN DIEMEN’S LAND hervorragend herüber. Aber trotz aller Intensität im Schauspiel und trotz aller grandiosen Landschaftsaufnahmen, die zwischendurch eingestreut werden: für einen knapp zwei Stunden dauernden Film ist das nicht genug.

Diese Aussage mag zunächst überraschen, schließlich geht es doch um das Kapitalverbrechen aller Kapitalverbrechen: Kannibalismus. Aber... ganz so, wie dieses Gräuel für unsere Protagonisten nur allzu schnell zu etwas fast schon Normalem wird, zu einer Notwendigkeit, die nicht mehr hinterfragt wird, so wird es das auch für den Betrachter. Fast schon nebenbei registriert man, dass die Gruppe der geflohenen Sträflinge im tasmanischen Hinterland schon wieder um einen geschrumpft ist... dass da schon wieder menschliche Innereien gekocht werden... dass da schon wieder die Axt gezückt wird.

Mal ganz davon abgesehen, dass die entsprechenden Morde nicht eben spektakulär in Szene gesetzt werden - was natürlich auch ziemlich unpassend wirken würde: die meisten Figuren sind für uns kaum unterscheidbar, wir erfahren fast nichts über ihre jeweiligen Hintergründe, können so auch für keinen größere Sympathien aufbauen. So ziehen und sterben sie eben an uns vorbei, durchqueren Flüsse, werden gegessen, finden und finden kein besiedeltes Gebiet und quälen sich weiter voran...

... und nach gefühlten 500 Minuten ist das Ganze dann endlich vorbei. Man fühlt sich bedrückt, man sehnt sich nach Sonnenlicht und kräftigen Farben und nach einem Film, der das Tempo endlich wieder ein wenig anzieht.

Wie gesagt: Respekt vor der technischen und künstlerischen Leistung. Aber fesseln will VAN DIEMEN’S LAND einfach nicht. Anstrengend ist wohl das richtige Wort. Oder doch: ermüdend? 4 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

29.08.2009, 05:58



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