Dread

Der Feel-bad-Movie des Jahres

von D.S.
Schon nach einer Viertelstunde spürt man: dieser Film wird böse enden. OK, bei einer Clive-Barker-Verfilmung weiß man das ja eigentlich ohnehin. Aber DREAD produziert eine so bösartige Grundstimmung, dass man kaum umhin kann, sich beim Betrachten erst unwohl und dann immer unwohler zu fühlen. Als wäre man selbst eingebunden in die Versuchsanordnung unserer drei Philosophiestudenten, die per videodokumentierter "Fear Study" herausfinden wollen, woher Angst kommt und wozu sie führen kann...

Schon an diesem Setup wird deutlich, dass sich der Film ein ganzes Stück von der Kurzgeschichte absetzt, die ihm zugrunde liegt. Im Deutschen heißt sie "Moloch Angst", findet sich im "Zweiten Buch des Blutes" und beschreibt das Experiment eines Einzelnen, Quaid. Aber DREAD gelingt das Kunststück, die Pfade der Vorlage ein ums andere Mal zu verlassen, ihr dennoch treu zu bleiben, sie sinnvoll zu erweitern - und letztendlich sowohl in der Story als auch in der Atmosphäre noch ein ganzes Stück finsterer, schonungsloser daherzukommen als das "Original".

Tatsächlich finden sich fast alle Elemente der Kurzgeschichte im Film wieder, sogar einzelne Sätze des Barker-Textes werden im Original-Wortlaut wiedergegeben, fügen sich dabei aber nahtlos in den Rest des Dialoges ein. Die "Experiment-Geschichten" der Figuren aus "Moloch Angst" werden im Film teilweise auf mehrere Figuren aufgeteilt, teilweise bis ins Monströse ausgearbeitet - wodurch sie nicht nur grausamer, sondern auch nachvollziehbarer bzw. glaubwürdiger als in der Vorlage wirken. Zudem werden sie durch vollkommen neue Geschichten ergänzt, die für weitere stimmige Momente sorgen und dem Film dabei helfen, das Level des Grauens kontinuierlich nach oben zu schrauben und über mehrere Höhepunkte zur finalen Konfrontation einen immer größeren Sog zu entfalten, der direkt in die Abgründe der menschlichen Psyche zu führen scheint...

Große Worte, und zunächst mag man die wohl nicht unbedingt glauben, denn DREAD nimmt sich durchaus Zeit, um seine Figuren und seinen Handlungsrahmen zu etablieren. Große Schocks sind hier zunächst - mit einer Ausnahme - Mangelware, vielmehr geht es in der ersten Hälfte des Films vornehmlich um den Aufbau einer unbehaglichen Atmosphäre - die später immer psychotischere Züge annimmt. Quaid drängt Steven und Cheryl dazu, das Angst-Experiment ohne Rücksicht auf Verluste voranzutreiben. Dabei offenbart er einen grenzenlos selbstbezogenen Charakter und wird doch nur von seinen eigenen Dämonen gejagt...

Dabei kann sein Darsteller schauspielerisch vollkommen überzeugen. Ein wenig erinnert er an eine Mischung aus Willem Dafoe und Christian Bale in AMERICAN PSYCHO, die Morbidität unter der Hülle des braven Normalos bricht immer wieder durch und kann von ihm immer schwerer im Zaum gehalten werden. Aber auch alle anderen Figuren sind überzeugend dargestellt und agieren meist sogar sehr nachvollziehbar. Kamera, Soundtrack und Montage sind nur selten auffällig - unterstützen also zurückhaltend die Geschichte und schaffen es dabei, uns von der Sicherheit des Uni-Alltags Schritt für Schritt in immer fragilere Bereiche der geistigen Gesundheit zu leiten. Und der Beklemmung.

DREAD ist nicht das, was man ein Meisterwerk nennen kann. Dafür gibt es dann doch zu viele Längen im Anfang und in der Mitte des Films. Und dafür wirken einzelne "Angst-Geschichten" dann doch zu konstruiert und Horrorfilm-typisch, was allerdings in großen Teilen der Vorlage geschuldet ist. Aber DREAD ist ein extrem fesselndes, tiefenwirksames Spiel mit der Psyche seiner Figuren und auch der des Betrachters. Und damit nicht nur intelligenter, intensiver und origineller als ganze Jahrgänge konventioneller Horrorfilme. Sondern auch, für mich, neben HELLRAISER vielleicht die beste Clive-Barker-Verfilmung überhaupt. Nicht verpassen - aber auf ein echt schlechtes Gefühl hinterher einstellen! 7,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

29.08.2009, 06:05



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