Loft

Rätseln für Fortgeschrittene

von D.S.
Ich bin kein Krimi-Freund. Die Freuden des sonntäglichen Tatort-Guckens in der Lieblingskneipe haben sich mir bis heute nicht erschlossen, und auf clever kombinierende Kriminalkommissare reagiere ich für gewöhnlich mit Langeweile oder gar Abscheu. Trotzdem hat mir LOFT sehr viel Spaß gemacht - und das hängt nicht nur damit zusammen, dass die ermittelnde Partei hier nur eine unbedeutende Nebenrolle spielt. Bei Lichte betrachtet, ermittelt hier sowieso nur einer: der Zuschauer.

LOFT präsentiert uns eine Leiche und fünf Verdächtige, die sich allesamt gegenseitig verdächtigen. Fünf Mitglieder der besseren Gesellschaft Belgiens, die sich für ihre privaten erotischen Vergnügungen jenseits Ehefrau und Familie einen stillen Rückzugsort teilen. Einen "Place to steal time", ein Luxus-Loft, das einer von ihnen - der erfolgreiche Architekt Vincent - für scheinbar genau solche Zwecke überhaupt erst gebaut hat. Nur diese fünf haben einen Schlüssel zum Loft. Also muss auch einer von ihnen für die Bluttat verantwortlich sein, die hübsche nackte Frau auf dem Gewissen haben, die man eines Morgens mausetot, mit Handschellen ans Bett gefesselt vorfindet. Oder?

Der Film macht sich den Gegensatz zwischen sauberer Oberfläche und schmutzigen Geheimnissen zum Thema. Jeder der fünf hat seinen eigenen Keller voller Leichen, und was da im Verlauf der schwer unterhaltsamen zwei Stunden so ans Tageslicht gezerrt wird, ist alles andere als appetitlich. Zwar sind die Charaktere nicht unbedingt extrem fein gezeichnet, aber glaubwürdig genug angelegt und gespielt, um den Zuschauer stets bei der Stange zu halten. Stück für Stück werden hier Amoralitäten und Skrupellosigkeiten deutlich gemacht, die jede für sich schon genug Stoff für einen ganzen deutschen Fernsehkrimi bieten würden. Das besondere: sie sind allesamt so dicht miteinander verwoben, dass sie alle möglichen Auflösungen des Täter-Mysteriums glaubhaft erscheinen lassen würden. Ständig denkt man: "Ha, der war’s bestimmt, schließlich hat er diesen und jenen Grund..."

LOFT ist aber eben nicht nur ein spannender Whodunnit, er funktioniert daneben auch als Gesellschaftsskizze mit teilweise schwer beißendem schwarzen Humor. Die feinen Herren haben dermaßen viel Dreck am Stecken, dass man oft genug allen auf einmal wünscht, sie würden anstelle der jungen Dame tot im Bett liegen. Da wird geheuchelt, gelogen, korrumpiert und betrogen, dass es ein einziges Spektakel ist. Dennoch verliert der Film nie seinen Fokus: dass die Lage für alle Beteiligten ernst ist und es gilt, einen Mord zu klären (oder zu decken?), rufen nicht zuletzt regelmäßige Polizeiverhör-Sequenzen immer wieder ins Gedächtnis.

Nach der Etablierung der Situation, ihrer Hintergründe und der Vorgeschichte unserer fünf Protagonisten schlägt LOFT, wie zu erwarten war, diverse Haken, bis das Rätsel schließlich gelöst wird. Dabei gibt sich das Drehbuch alle Mühe, die Auflösung nicht zu vorhersehbar zu gestalten. Was für meinen Geschmack aber nur teilweise gelingt, es gab da den einen oder anderen Clue zu viel...

Nichtsdestoweniger macht es einen Heidenspaß, mitzuraten und der niederträchtigen Geschichte dabei zuzusehen, wie sie sich entfaltet und ausnahmslos jeden immer mehr mit Schmutz befleckt. Das Ganze geschieht zwar nicht gerade in sonderlich hohem Tempo oder auf stilistisch formvollendete Weise, aber man kommt nicht umhin, gefesselt zu sein und auf die Klärung der Geschichte hinzufiebern. Den Epilog hätte man sich dann zwar sparen können, aber dicke 7 Punkte sind das dennoch allemal. Von einem Nicht-Krimi-Freund. Wer das Genre mag, legt sicher noch mindestens einen obendrauf.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 1, Frankfurt

29.08.2009, 06:14



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