Moon

Form über Inhalt - bitte!

von Rohrkrepierer
Sam Rockwell alleine auf dem Mond, nur auf sich selbst und die Stimme von Kevin Spacey verlassen um nicht den Verstand zu verlieren. Aber dann geschieht ein Unfall...

Jeder weitere Satz würde den Schritt durch den Spamfilter nicht überstehen. Auch wenn der Film selbst früher als erwartet in die Offensive geht und dem Zuschauer schon den weiteren Weg klar durch die Geschichte weist. Dem Werk von Duncan Jones wird auf diese Art viel von seiner anfänglich packenden Atmosphäre geraubt.

Alles an diesem Film paßt auf den ersten Blick. Tolle Bauten, die hervorragend ausgeleuchtet sind und endlich mal wieder den entrückten Charme der 70er Jahre Science-Fiction-Filme auf den großen Schirm zurückbringen. Kaum Greenscreen, wenige CGIs, dafür große Kunst der Ausstatter und Studiohandwerker.

Richtig großes Kino liefert auch der Komponist Clint Mansell. Überraschen konnte mich das zwar nicht, da er in seinen bisherigen Arbeiten stets riesige Momente über die Tonspur zauberte und bereits im Olymp der Filmkomponisten des aktuellen Jahrhunderts angekommen sein dürfte. Dennoch immer wieder phantastisch, wie mich alleine die Arbeit dieses Mannes zu packen versteht.

Genauso packen kann mich auch das intensive und sympathische Spiel Sam Rockwells. Dieser Mann ist ein hervorragender Schauspieler, der selten in seinen Rollen voll aufgehen durfte. Und nun bekommt er die Chance in einer einzigen großen One-Man-Show den Zuschauer von seiner Klasse zu überzeugen. Und er schafft es! Toll, toll, toll!

Dieser Film ist stark in seiner Form und seinen tragenden Figuren, da gibt es keinen Zweifel. Aber diese Kraft der Inszenierung stellt auch den Ziegenfuß für "Moon" dar.
Ohne von der Geschichte etwas verraten zu können, muß ich dieser deutliche Schwächen in Spannungsaufbau und Konsequenz attestieren, die gerade im Kontrast zum brillanten Äußeren zum Tragen kommen. Das ist schade, denn alleine die förmlichen Grundvoraussetzungen standen deutlich auf Meisterwerk.
Nun will "Moon" ja vielleicht gar keine so komplexe Geschichte erzählen und auch weniger menscheln als es ihm aufgedrängt wird. Dafür sind jedoch die Zeichen, die Symbolik zu wenig subtil. Und genau an diesem Anspruch verhebt sich "Moon" deutlich und hinterläßt am Ende nach all der humanen Boxerei sogar noch einen schalen und fragwürdigen Beigeschmack in seiner aufgesetzten menschlichen Botschaft.

Selten habe ich mich in einem Film so darüber geärgert, daß die künstliche Komplexität der Story in sich selbst zerfällt und sogar beginnt den Film als bestehendes Kunstwerk zu zersetzen.

Ein intensiver, stiller, toll gestalteter Film in starken Bildern, durchdringendem Klang und packendem Spiel. Leider fast an seinen eigenen hohen inhaltlichen Ansprüchen gescheitert. Dennoch ein richtiges Kinoereignis, von denen es in Zeiten von CGI und Stakkatoschnitten viel zu wenige gibt und alleine deswegen ein Erlebnis, das ich nicht hätte missen wollen.
Rohrkrepierer
sah diesen Film im Cinecitta' 3, Nürnberg
 
30.08.2009, 11:37



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