Sexykiller

Babsily the Strange

von D.S.
Stylisch, blutig, bonbonbunt: SEXYKILLER ist mich eindeutig die bisher größte Überraschung des Festivals. Ein einziges Feuerwerk an schrägen Storyideen, gespickt mit ungewöhnlichen narrativen und visuellen Schmankerln, Jokes und kreativen Mordideen - ein Film, der auch und gerade um Mitternacht garantiert jeden wach hält und ganz extrem viel Laune macht.

Barbara ist Medizinstudentin, leicht reizbar und chronisch von ihren Mitmenschen genervt. Aber Barbara tut was dagegen: sie räumt die Störenfriede aus dem Weg, und auch sonst jedem, bei dem sie gerade Lust darauf verspürt. Zwar hinterlässt sie dabei tonnenweise Spuren, aber die ermittelnden Kommissare scheinen ihren Job mal eher im Lotto gewonnen zu haben - darum kann sie fast ungestört eine gewaltige Blutspur durch den Campus ziehen. Das einzige, was ihr zum Leben fehlt, ist der perfekte Mann. Der Schönheitschirurg sein und ihre Einstellung zum Ableben anderer teilen muss. In Tómas scheint sie ihn endlich gefunden zu haben. Dumm nur, dass ausgerechnet jetzt die von ihr Ermordeten von den Toten auferstehen und sie bald eine veritable Zombieplage am Hals hat...

SEXYKILLER ist über weite Strecken non-linear erzählt und springt dabei von einer Handlungsfacette, einem Filmstil, einer Zeitebene zur nächsten und wieder zurück. Damit nicht genug, zieht der Film auch noch eine Metaebene ein und lässt Barbara die Zuschauer im Kino mehrfach direkt adressieren - was sehr gut zu ihrer Persönlichkeit passt, denn nichts ist für sie wichtiger, als vor ihrem imaginären Publikum heiß auszusehen und möglichst stylisch zu handeln. Das heißt natürlich auch, dass sie oft mit coolen Sprüchen nur so um sich wirft, und nicht zuletzt hier offenbart sich, dass der Regisseur ein echter Genrekenner und -Fan ist: es gibt jede Menge Insiderwitze und Anspielungen auf Horror-Hits der letzten Jahrzehnte zu entdecken, die erstaunlicherweise allesamt sehr gut sitzen.

Die Geschichte als solche dient zwar in erster Linie nur als Aufhänger für eine rauschhafte Party aus verschiedensten Filmstilen und narrativen Ideen, ist aber in sich schon so bizarr, dass keine Sekunde Langeweile aufkommt. Der non-lineare Erzählstil sorgt dann auch noch für ein extrem hohes Tempo, weshalb man beim Betrachten das Gefühl hat, ohne Pause von Highlight zu Highlight zu hüpfen. Zunächst ist SEXYKILLER so etwas wie eine Slasher-Persiflage, erinnert dann fast an eine mit wesentlich mehr Sexyness und Gewalt aufgeladene Version von KAMIKAZE GIRLS, um schließlich in einer Zombiekomödie zu enden - nicht ohne zwischendurch noch KILL BILL seine Reverenz zu erweisen und die Tradition der schwarzen spanischen Komödien à la Alex de la Iglesia zu neuer Blüte zu treiben. Diese Vielfalt wirkte auf mich aber nicht zerfahren, beliebig oder chaotisch inkonsistent, sondern sorgte für ein hohes Maß an Abwechslung und einen beinahe permanenten Überraschungseffekt. In der Tat sind hier Ideen für mindestens drei Filme enthalten, aber zusammengeworfen und ausführlich miteinander gemixt, machen sie auch mindestens drei Mal so viel Spaß.

SEXYKILLER ist intelligent genug, um auch Filmnerds zu befriedigen, action- und witzgeladen genug, um auch die Partymeute johlen zu lassen, stylisch, bunt und sexy genug, um auch das abgestumpfteste Auge leuchten zu lassen. Die Hauptdarstellerin ist zwar überhaupt nicht mein Typ, füllt ihre Rolle aber perfekt aus. Die anderen Darsteller agieren eher unauffällig, sind aber zum größten Teil auch nur Staffage für die one and only Killerfrau des Abends - die Feministin unter den Serienkillern, die uns im Zusammenspiel mit der überbordenden Kreativität des Regisseurs eine einzigartig schräge Zeit beschert.

Ein absoluter Pflichtfilm für jeden, der auch nur eine Spur Interesse an Filmen hat, die mit der Norm brechen. Und dabei nicht vergessen, grandios zu unterhalten. Ganz dicke 7,5 Punkte - nur deshalb nicht 8, weil die Ideendichte sich im letzten Viertel des Films dann leider doch ein wenig lichtet.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

01.09.2009, 05:41



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