The Descent: Part Two

Solid as a Cave

von D.S.
Die Fortsetzung zu Neil Marshalls Adrenalinbombe THE DESCENT ist grundsolide. Sie liefert genau das, was man von ihr erwartet: Höhlen, Monster, Schocks und Gore. Von einigen Logikschwächen abgesehen, könnte man tatsächlich ziemlich begeistert von diesem Film sein. Wenn es den Vorgänger nicht gäbe, der in jeder Hinsicht so viel intensiver, wirksamer, besser ist.

DESCENT 2 fängt genau dort an, wo der erste Teil endete: Sarah, die Überlebende, taumelt auf die Straße und wird fast überfahren. Man bringt sie ins Krankenhaus, während ein Rettungstrupp in Höhlen am anderen Ende des Landstriches noch vergeblich nach ihren Freundinnen sucht. Die Öffentlichkeit setzt den ermittelnden Inspektor unter Druck, endlich das Verbleiben der jungen Frauen zu klären, also greift er nach einem Strohhalm: Sarah soll eine kleine Suchmannschaft in die Höhle hinab begleiten, aus der sie gerade erst entkommen ist. Da sie sich an nichts mehr aus den letzten zwei Tagen erinnern kann, willigt sie ein - und schon sind wir wieder unten: mit Sarah, dem Inspektor, seiner Assistentin und drei Kletterern, von denen einer aber auch noch fast keine Erfahrungen in Sachen Höhlen hat (falls ich das richtig mitbekommen habe). Sehr schnell stößt man auf die Überreste einer von Sarahs Freundinnen. Und dann auch bald auf die finsteren Kreaturen aus dem ersten Teil...

Dass es reichlich unglaubwürdig ist, eine schwer verstörte junge Frau in eine unerforschte Höhle zu scheuchen, die sich kaum auf den Beinen halten kann und an komplettem Erinnerungsverlust leidet, ist klar. Ebenso ist genau dieser Erinnerungsverlust natürlich eine reichlich armselige Krücke, um ihre Einwilligung in den erneuten Abstieg in die Hölle zu begründen. Zudem ist es aber irgendwie ganz schön peinlich, dass uns der erste Teil so ins Hirn hämmerte, das Höhlenklettern sei absolut nichts für Unerfahrene - nur um hier dann die Hälfte des Rettungsteams aus blutigen Anfängern bestehen zu lassen. Aber gut, all das kann man noch hinnehmen, und an schweren Logikfehlern war es das dann auch weitestgehend (wenn man mal über einige Implikationen des Filmendes hinwegsieht). Zwar fällt das Drehbuch außerdem einige unglückliche Entscheidungen, was seine handelnden Figuren angeht - aber für ein anspruchsloses Horrorfest ist alles im Großen und Ganzen durchaus stimmig genug.

Und so erleben wir wieder die bekannten Schocks, wenn eine der Kreaturen plötzlich im Bild auftaucht. Spüren wieder die Beklemmung des ausweglosen Höhlensystems. Werden wieder Zeuge von Streitereien unter den Teammitgliedern. Bekommen wieder blutige Kämpfe mit den Kreaturen geboten - wobei man sich diesmal insgesamt besser zur Wehr zu setzen weiß, es insgesamt ein wenig heftiger zur Sache geht und die hektische Kameraführung während der Fights noch mehr nervt als im ersten Teil.

Das Problem ist nur: es wird absolut nichts Neues geboten. Der Überraschungseffekt bezüglich der Monster bzw. der ungeahnten Gefahr inmitten der Gefahr der Höhle selbst ist natürlich dahin; die Höhle als solche und das sich in ihr Verirren wird ohnehin kaum mehr dramatisiert; die Kämpfe stehen hier viel mehr im Mittelpunkt als vorher - aber es sind eben nur noch Kämpfe gegen Monster, weitgehend ohne die im ersten Teil so mitreißende Panik der Konfrontation mit dem Unbekannten, das erst Schritt für Schritt enthüllt wurde.

Nun kann man DESCENT 2 da kaum einen Vorwurf machen, die Ingredienzien sind nun mal alle schon bekannt. Wir können nicht wieder unwissend anfangen und uns von der unermesslichen Tiefe der Höhle und dem, was sie verbirgt, in den Adrenalinrausch treiben lassen. Eigentlich macht der Film fast alles richtig - ich wüsste nicht, wie eine Fortsetzung zu DESCENT großartig anders hätte aussehen können. Die Frage ist dann halt vielleicht nur, ob es eine Fortsetzung überhaupt gebraucht hat. Sie kann nur verlieren. Denn der Intensitätsgrad des Vorgängers ist so nie wieder erreichbar. Bezeichnend, dass die intensivsten Szenen der ersten 20, 30 Minuten des Films Rückblenden auf den ersten Teil sind...

Vollkommen unverständlich war für mich außerdem, dass DESCENT 2 einmal sogar willentlich seine prinzipiell immer noch beklemmende Atmosphäre komplett zerstört, indem er auf völlig unpassenden, pubertären Comic Relief setzt.

Für sich genommen, unterhält der Film insgesamt aber immer noch besser als die allermeisten Genrevertreter und kann bedenkenlos empfohlen werden. In gewisser Hinsicht ist er dennoch ein Ärgernis. Das ergibt für mich 6,5 Punkte. Stünde DESCENT 2 allerdings für sich allein, wären es wohl eher 8.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

02.09.2009, 05:46



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