Pig Hunt

Weitgehend wildschweinfreies Gebiet

von D.S.
PIG HUNT betreibt ziemlich derben Etikettenschwindel. Er verkauft sich uns als Film über eine wilde Wildschweinmonsterjagd - tatsächlich ist er jedoch in erster Linie ein schmutziger kleiner Großstädter-versus-Hinterwäldler-Streifen. Dabei hat er zwar zeitweise einen durchaus akzeptablen Unterhaltungswert. Aber das, was wir hier alle eigentlich sehen wollen, bekommen wir erst im großen Finale vorgeführt: die Mutter aller Mördersäue. (Okay, eigentlich handelt es sich um einen Keiler.)

Und auch vor der schließlichen Boss-Konfrontation taucht Schweine-Action bei PIG HUNT nur ganz am Rande mal auf. Die Hauptbestandteile des Films sind stattdessen verkommene Rednecks, tödliche Waffen, blanker Hass - und ordentliche Ladungen Zynismus. Alles nicht das Falscheste, und insofern könnte PIG HUNT, enttäuschte Erwartungen mal außen vor gelassen, ja theoretisch für zufriedene Gesichter beim Festivalpublikum sorgen. In der Praxis gelingt ihm das nur minutenweise. Nämlich immer dann, wenn eine Salve böser Sprüche oder böser Schüsse auf das reichlich vorhandene Kanonenfutter abgegeben wird. Oder sich dieses sogar mal wehrt.

Dies passiert jedoch eindeutig zu selten, und so besteht der größte Teil des Films aus fröhlichem und nicht so fröhlichem durch-den-Wald-Irren seitens Johns und seines Freundeskreises. Für ein zünftiges Jagd-Wochenende hat man San Francisco hinter sich gelassen und sucht das kalifornische Hinterland auf, wo Johns kürzlich verstorbener Onkel ihm ein Häuschen samt Grundstück vermacht hat. Statt auf vierbeinige stößt man jedoch zunächst nur auf zweibeinige Schweine: degenerierte Dorfbrutalos, mit denen John schon in seiner Kindheit und Jugend zeitweise recht "nahe gehenden" Kontakt hatte. Von Anfang an liegen Animositäten in der Luft. Aber bevor offene Gewalt ausbricht, beschließt man die Zusammenarbeit: denn in der Gegend soll das größte und tödlichste Wildschwein aller Zeiten umgehen. Der 3000 Pfund schwere, schwarze Keiler "The Ripper".

Der hat aber offensichtlich keine gar so große Lust darauf, unserer Jagdgesellschaft zu zeigen, wo der Hauer hängt. Jedenfalls hält er sich bis zur Schlussviertelstunde von PIG HUNT konsequent außer Sichtweite der Kameras. Was schade ist, denn er sieht gar nicht mal so schlecht aus. Allerdings auch wieder nicht spektakulär genug, um die vorherige Ereignislosigkeit auszugleichen, auf die hier ein zu großer Teil des Filmmaterials verschwendet wurde. Wobei das monoton-matschige Waldland-Farbspektrum Grün-Braun-Grünbraun-Braungelb, das den Hintergrund allen Geschehens und Nicht-Geschehens bildet, auf die wahnwitzig überzogene Dauer von 100 Minuten zusätzlich ermüdend wirkt.

PIG HUNT ist der deutlich konventionellste Beitrag im XXXTREME-Feature, und leider auch der am wenigsten im Kopf bleibende. Ein klassischer, zeitweise recht harter B-Movie um angepisste, skrupel- und gnadenlose Backwoods-Jäger, die nur eben leider keine Killertiere, sondern eine Schar lahmer Großstädter jagen. Dabei sitzt die eine oder andere schwarze Spitze zwar famos; viel zu Vieles im Handlungsverlauf aber ist schon ein paar Mal zu oft gesehen worden, belanglos oder vorhersehbar. Was explizit nicht gilt für die hier ebenfalls auftretende bizarre Hippie-Sekte, mitsamt halbnackter Mädels und dem krassesten Brotha seit BLACK DYNAMITE. Den Film retten können die leider auch nicht, dafür ist er viel zu lang und oftmals langatmig. Aber es gibt einen Extrapunkt für sie und ihre Rolle in der Handlung.

Was PIG HUNT dann insgesamt noch auf 5 Punkte bringt. Ganz schlecht ist er nicht, zwischendurch sogar absolut unterhaltsam. Aber eben nur zwischendurch. Damit ein mäßiger Abschluss des XXXTREME-Features, den man nicht unbedingt gesehen haben muss und der gegenüber seinen beiden "Konkurrenten" klar abfällt. Zwar macht er das Dreierpack insgesamt nun auch nicht wesentlich weniger lohnenswert. Dennoch: mit mehr Schwein wäre definitiv mehr drin gewesen.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 1, Frankfurt

07.09.2009, 01:11



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