Resurrection of the Little Match Girl

Ein bonbonbunter Trip ins Bodenlose

von D.S.
RESURRECTION... ist mit Sicherheit einer der außergewöhnlichsten und abwechslungsreichsten Filme des FFF2003. Aus der Menge an Ideen, die in diesen Streifen gesteckt wurden, würden andere fünf oder mehr Filme produzieren - aber vermutlich würde keiner davon auch nur ansatzweise die Faszination dieser Wundertüte ausstrahlen.

Die Story läßt sich nur schwer zusammenfassen - insbesondere, da sie mehrfach die Richtung wechselt, ihre Voraussetzungen und Rahmenbedingungen plötzlich komplett negiert, sich kopfüber in immer neue Absurditäten stürzt. Aber im Groben geht es um den Außenseiter und Möchtegern-Game-Pro Ju, der - mit leisen Anklängen an AVALON - in der realen Virtualität an einem Spiel teilnimmt. Ziel ist es, das Herz eines jungen und unglaublich süßen Mädchens, das Feuerzeuge verkauft, für sich zu gewinnen - und dafür zu sorgen, daß es hungernd und allein im Schnee erfriert. Der Sieger des Spiels wird mit einer sorgenlosen Zukunft mit dem Mädchen in einer "glücklichen Welt" belohnt. Dabei hat Ju nicht nur eine ganze Menge Kontrahenten, die allesamt wesentlich mehr Erfahrung, Waffen und Geschicklichkeit vorweisen können als er selbst, es gibt auch eine mindestens ebenso hohe Zahl an Feinden, die er daran hindern muß, das Mädchen zur Prostitution zu bewegen, oder ihnen schlicht und einfach eins der Feuerzeuge zu verkaufen. Natürlich: im Verlauf der Geschehnisse verändert sich Ju, wird selbstbewußter und entschlossener. Aber auch die Spielwelt verändert sich durch sein Eindringen. Bald läuft nicht mehr alles so, wie es soll, und die Fehlentwicklungen werden immer massiver...

Auf seinem Weg durch die Spielwelt begegnet Ju den verschiedensten Charakteren, und wir erleben einen Genrewechsel im Minutentakt: sehr poetisch beginnend, ist der Film zunächst vor allem eine Komödie, wird zum Adventure, bietet mitreißende Actionsequenzen und immer wieder beeindruckende, vor allem aber originelle Effekte, wechselt vom Shootout zur Melodramatik zur Groteske...Die Handlung wird auf unglaublich vielfältige Weise vorangetrieben, aber ohne daß dabei jemals der Faden verloren geht; dabei wird ein atemberaubendes Tempo vorgelegt, aber ohne daß dabei jemals Hektik oder Unübersichtlichkeit entsteht; Locations und Handlungsstränge werden permanent gewechselt, aber ohne daß dabei ein pseudo-modernes MTV-Flair entsteht. Eigentlich erzählt RESURRECTION... eine sehr einfache Geschichte, ist in weiten Teilen ein fast klassischer Liebesfilm - bedient sich dabei jedoch so ungewohnter dramaturgischer Mittel, daß ein tatsächlich vollkommen neues Filmerlebnis entstehen kann - wenn man sich darauf einläßt. Das spannendste ist dabei meiner Meinung nach, daß die Kraft und Außergewöhnlichkeit des Films tatsächlich von Innen, aus der Story selbst und ihrer Inszenierung kommt: zwar gibt es auch eine recht große Zahl an visuellen Effekten zu bestaunen, aber anders als bei MATRIX und Konsorten machen sie hier nicht den Film aus, sondern "verschönern" nur einzelne Segmente.

RESURRECTION... ist ein einmaliges Erlebnis, das man sich unbedingt auf der Kinoleinwand gönnen sollte. Aber Vorsicht: man kann sehr leicht süchtig werden. Und wünscht sich, es hieße nie mehr "Game Over". 9 Punkte. Grandios.
D.S.
sah diesen Film im Cinemaxx, Berlin

16.08.2003, 05:48



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