May

Anders als die anderen...

von D.S.
Ja, May Kennedy ist wirklich ein wenig "anders" drauf. Seit frühester Kindheit wegen eines Augenfehlers (ihre rechte Pupille bewegt sich nur sehr langsam) weitestgehend ausgeschlossen und allein, hat sie sich zu einer scheuen, ängstlichen, sozial inkompetenten jungen Frau entwickelt. Zwar lassen spezielle Brillengläser und Kontaktlinsen ihr Leiden im Verborgenen, aber trotzdem hatte sie noch nie einen Freund - weder im Bett noch im Leben. Abgesehen natürlich von einer ziemlich häßlichen und bedrohlich wirkenden Puppe, die ihre Mutter ihr vermacht hat - aber selbst die durfte May noch nie berühren.

Sie sehnt sich so sehr nach Nähe und Zuneigung, daß sie schließlich sogar ihre Angst überwindet und Schritte unternimmt, einem jungen Mann näher zu kommen. Dieser ist Argento- und Splatterfreak und sowieso vom "Andersartigen" fasziniert. Zumindest behauptet er das. Genau wie mehrere andere Menschen, die sich zunächst von May angezogen fühlen: sie sagen ihr immer wieder, daß sie ja auf "weird things" stünden - und darum auch auf May. Bis sie dann mit der kleinsten echten Andersartigkeit in Mays Verhalten konfrontiert werden woraufhin sie sich sofort zurückziehen. Und May noch mehr verletzen. Irgendwann hat sie genug - und ergreift Maßnahmen, um das ewige Verlassen-Werden zu unterbinden...

In allererster Linie ist MAY eine Charakterstudie - ein sehr ruhiger Film, der die Probleme zwischenmenschlicher Kontakte und Beziehungen aus der Sicht einer verstörten Außenseiterin betrachtet. Dabei wird aber keine Problemfilm-, sondern eine sehr abgründige Herangehensweise genutzt - May tappst immer tiefer in Verhaltensmuster, die den Rest der Welt schließlich schockieren und abstoßen MÜSSEN. Wobei der Film in weiten Teilen schwarzhumorig und skurril ist, seine Hauptfigur aber immer mit Respekt behandelt - und es so vielleicht tatsächlich schafft, den einen oder anderen Betrachter zum Hinterfragen seiner Sicht auf "merkwürdig" scheinende Menschen zu bringen. Er erweckt Verständnis und Sympathie für seine Protagonistin - ohne auch nur ein mal den moralischen Zeigefinger zu erheben. Selbst, als May dann im letzten Drittel des Films ein für ihre Umwelt recht schmerzliches Verhalten an den Tag legt, erscheint sie niemals als Monster. Sie wurde, so der Film, von der Außenwel zu ihrem Verhalten getrieben - und ihre verstörte Persönlichkeit scheint ihr kaum eine andere Handlungsoption offenzuhalten.

Obgleich MAY ein Film über eine seltsame Frau und ihre noch viel seltsameren Taten ist, ist er ein sehr warmherziger Film. Mehr Drama als Freakshow. Mir persönlich etwas ZU ruhig, und teils doch zu vorhersehbar. Darum "nur" 7,5 Punkte. Aber in jedem Fall: ein Film, den man gesehen haben sollte - nicht nur, wenn man selbst ein wenig "anders" als die anderen ist.
D.S.
sah diesen Film im Cinemaxx, Berlin

18.08.2003, 04:03



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