Thirst - Durst

Verdammt in alle Ewigkeit?

von Alan Smithee
"Thirst" wurde im Vorfeld richtigerweise als Vampirfilm für Erwachsene beworben. Neben "Lady Vengeance" ist er für mich Park Chan Wook's bisher reifste Regiearbeit und besticht durch seine stimmungsvolle Atmosphäre und präzise Kameraarbeit. Park lässt sich viel Zeit die Ausgangssituation und seine Figuren einzuführen. Erwartet man keinen Horrorreißer und lässt sich auf die ruhige Erzählweise ein, wird der Film dabei auch nie langweilig, da jede Szene wichtige Details beinhaltet, die für den weiteren Verlauf der Geschichte oder zum Verständnis der Beziehungen zwischen den Charakteren und ihren Handlungen wichtig sind. Vieles bleibt unausgesprochen und wird nur angedeutet, so dass es sich lohnt den Film auch ein zweites Mal anzusehen. Charakteristisch für Park ist sein Sinn für schwarzen Humor und ironische Doppeldeutigkeiten, die die melancholische Grundstimmung des Films an vielen Stellen auflockern. Park's Stammschauspieler Song Kang-ho gibt erneut eine überzeugende Vorstellung und bringt den inneren Zwist des Priesters, der eigentlich nur für andere Menschen da sein möchte und unter den "Erfordernissen" seines neuen Vampirlebens zunehmend leidet, glaubwürdig rüber. In einer Schlüsselszene greift Park auch eines seiner wiederkehrenden Themen auf, die Schwierigkeit zwischenmenschlicher Kommunikation, und spannt damit inhaltlich einen Bogen zu seinen früheren Filmen. Ich habe mich beim ersten Sehen des Filmes gefragt, ob man ihn im Subtext vielleicht auch als Parabel auf die (biologisch) unnatürlichen Zwänge und inneren Widersprüche lesen sollte, die das Leben als Priester mit sich bringen mag. Nach dem FFF wischte ich den Gedanken erstmal beiseite, aber als ich den Film vor kurzem wieder sah, hatten viele Szenen vor dem Hintergrund jüngerer Nachrichtenmeldungen irgendwie einen seltsamen Beigeschmack. Unabhängig davon ist der Film eine klassisch angelegte und ungewöhnlich erzählte Vampirgeschichte, die auf wunderbare Weise Anne Rice mit koreanischen Eigenheiten verbindet.
Alan Smithee
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

25.08.2010, 01:15



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