Blood Brothers

Tödliche Gruppendynamik

von Alan Smithee
Gerade noch durch "Ip Man" in Hochstimmung versetzt, holte mich "Blood Brothers", ein intensives niederländisches Kammerspiel, schnell wieder auf den Boden der Realität zurück. Der Film basiert auf dem Mord dreier Teenager an einem Mitschüler in den 60ern Jahren, der die niederländische Öffentlichkeit schockierte.

Simon, ein ehrgeiziger Arbeitersohn, schließt Freundschaft mit den Brüdern Arnout und Victor, die einer reichen Familie angehören. Mit ihnen kann er zumindest vorübergehend seine einfache Herkunft hinter sich lassen. Der heitere Sommer wird jedoch gestört, als Ronny, ein Mitschüler, in Schwierigkeiten gerät und auf der Flucht vor der Polizei die Brüder um Hilfe bittet. Diese gewähren sie ihm bereitwillig und verstecken ihn auf dem Dachboden ihrer Villa. Was zunächst als lustiges "Spiel" beginnt, entwickelt sich schnell zu einer konfliktbeladenen Situation, in der Ronny schließlich nur noch als Last empfunden wird...

"Blood Brothers" kommt ohne künstliche Dramatisierung aus und darin liegt seine große Stärke. Mit viel Liebe zum Detail wird gezeigt, wie sich das Verhältnis der Hauptfiguren durch Machtkämpfe und falschverstandene Männlichkeitsrituale zusehends verschlechtert und die Gewalt immer mehr Einzug in ihr Leben erhält. Der Film enthält sich dabei einer moralisierenden Perspektive und zeichnet durch die logische Konsequenz, mit der die Jungen zu Tätern werden, indirekt auch ein sehr trauriges Gesellschaftsbild.
Alan Smithee
sah diesen Film im Metropolis 1, Frankfurt

25.08.2010, 05:40



Weitere Informationen (externe Links):