Largo Winch

Von übergroßen Vaterfiguren und Firmenverschwörern

von Alan Smithee
Auf dem FFF als Centerpiece ins Rampenlicht gerückt, handelt der Film von Largo, einem jungen Weltenbummler, der in seiner Kindheit von dem Medientycoon und Milliardär Nerio Winch adoptiert wurde. Als dieser unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, soll Largo, dessen Verbindung zu Nerio bis dahin ein Geheimnis war, in die Fußstapfen seines Ziehvaters treten und die Konzernführung übernehmen. Der Vorstand ist darüber natürlich nicht gerade begeistert, da der recht umtriebige Largo - mal abgesehen von den üblichen machtpolitischen Erwägungen - nicht so recht in das Bild eines Vorzeigemanagers passen will. Wie Largo im Folgenden einer großangelegten Verschwörung und den Verantwortlichen für Nerios Tod auf die Schliche kommt, ist wirklich sehr spannend inszeniert und lässt völlig vergessen, mit was für einem geringen Budget der Film gedreht wurde. Die Atmosphäre des Films erinnert dabei auf angenehme Weise an die alten James Bond Filme mit Sean Connery und auch "Casino Royale". Den offensichtlichen Anleihen beim großen Vorbild stehen überzeugende schauspielerische Leistungen (allen voran Tomer Sisley als Largo und Kristin Scott Thomas) und eine gut durchdachte Story mit dem Finanzsektor entlehnten Twists gegenüber (bei denen ich einige Male schmunzelnd an mein Höllen-Praktikum im Investment Banking zurückdenken musste, hihi). Routiniert gedrehte Actionszenen, die bodenständig bleiben und ohne technische Gimmicks auskommen, wechseln sich dabei immer wieder mit elegant eingeflochtenen Rückblenden ab, die Largos nicht ganz unkomplizierte Beziehung zu seinem Ziehvater beleuchten und seine Handlungen für den Zuschauer verständlich machen. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich seit "Der englische Patient" und "Der Pate II" eine Schwäche für Rückblenden habe und selbst im Schatten einer übergroßen Vaterfigur stehe, so dass ich mich mit Largos innerem Zwist wohl überdurchschnittlich stark identifizieren kann. Während die zahlreichen Rückblenden für andere also möglicherweise eine dramaturgische Schwäche darstellen, geben sie dem Film aus meiner Sicht eine emotionale Tiefe, die ihn positiv von reinen Actionfilmen wie "Quantum of Solace" abhebt. Insofern war "Largo Winch" für mich auf jeden Fall eine der angenehmen Überraschungen des FFF 2009.
Alan Smithee
sah diesen Film im Metropolis 1, Frankfurt

19.08.2010, 22:30



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