The Last Exorcism

The Show must go on

von D.S.
Ich habe selten erlebt, dass der Inhalt der Marketingkampagne und der tatsächliche Inhalt des beworbenen Films dermaßen weit auseinandergehen wie bei "The Last Exorcism". Der Trailer, die viralen Spots, die Twitternachrichten von Eli Roth und seinen Fanboys über völlig verstörte Zuschauer, die nach der Vorstellung im Kino beteten oder sich fast übergeben mussten... all das baut eine völlig falsche Erwartungshaltung auf. "The Last Exorcism" ist kein Emily Rose meets Evil Dead meets The Exorcist. Vielmehr ist er - zunächst und in erster Linie - eine bitterböse Mockumentary, die Fundamentalchristen und ihren potentiell lebensgefährlichen Aberglauben attackiert.

In durchaus komödiantischem Tonfall, locker und beschwingt zeigt uns der Film Reverend Cotton Marcus, der es dank seiner Show-Gottesdienste in Louisiana zu einer Art kleinem Religions-Popstar geschafft hat. Er selbst ist sich zwar nicht einmal sicher, dass er wirklich fest an Gott glaubt, aber da er schon seit seiner Kindheit nichts anderes gemacht oder gelernt hat, predigt er eben immer weiter und versetzt seine Gläubigen regelmäßig in wahre Euphorie. Eine ganze Zeit lang hat er sich nebenbei gute Dollars verdient, indem er seine Entertainer-Qualitäten weiter ausgebaut und in anderen Zusammenhängen zum Einsatz gebracht hat: als Exorzist, der arme ungebildete Bauern von vermeintlicher Besessenheit befreit.

Steht er schon den Kirchgängern seiner Gemeinde eher zynisch gegenüber, so verachtet er Exorzismusgläubige richtiggehend. Da vorgebliche Teufelsaustreibungen jedoch mehr und mehr zu einer Art Mode werden, die mitunter sogar Todesopfer fordert und, da er sich offenbar inzwischen vor seiner eigenen Unmoral ekelt, hat er beschlossen, dem Spuk ein Ende zu bereiten - die Menschen über den Lug und Trug und die Geschäftemacherei von Exorzismen und Exorzisten aufzuklären. Da kommt ihm das Angebot eines Filmteams gerade recht, sein Treiben zu dokumentieren. Gemeinsam macht man sich zum letzten Exorzismus auf: zu einer Farm in der tiefsten Provinz, um die Dämonenspektakel-Routine mit all ihren hinterlistigen Tricks endlich als pure Scharlatanerie zu entlarven.

Diese Tricks und ihre sarkastische Kommentierung durch den Reverend sind ein absolutes Highlight des Films. Man kann kaum anders, als in sich hineinzukichern ob der Leichtgläubigkeit des Christenvolks und der Perfidie der organisierten Teufelsaustreiber. In TV-Veteran Patrick Fabian (unter anderem "Veronica Mars") hat man die ideale Besetzung für die Hauptrolle gefunden, seine Mischung aus Showmanship, Abgeklärtheit und Unbeschwertheit macht es zu einem großen Spaß, ihm zuzusehen.

Apropos Spaß, über mindestens die erste Hälfte des Films geht es bei "The Last Exorcism" um nichts anderes. Bösen Spaß. Dann jedoch beginnt sich langsam immer mehr Ernsthaftigkeit ins Geschehen einzuschleichen. Denn beim vermeintlichen Routinefall ist und läuft einiges anders als vom Reverend erwartet. Mit den Sonderbarkeiten stellt sich auch der Zuschauer immer öfter die Frage, ob das Geschehen denn wirklich noch rational erklärt werden kann, oder ob nicht doch Übersinnliches, Dämonisches im Spiel ist...

Gekonnt führt uns der Film in diesen Zwiespalt und verwahrt sich gegen allzu frühe, klare Festlegungen. Dabei wird die Handlung immer spannender, die Atmosphäre immer bedrohlicher. Zwar kann man von der Blair-Witch-Wackelkamera 2010 langsam mehr als nur genervt sein, hier trägt sie aber durchaus zum realistischen Gefühl und schließlich auch zur Steigerung des Adrenalinlevels bei. Die Story des Films und ihre Entwicklung stellen inhaltlich zwar nun wirklich nichts Originelles dar, auf eine solche Art und Weise wurden entsprechende Themen meines Wissens aber noch nie inszeniert.

Insofern ist "The Last Exorcism" eine klare Empfehlung, so lange man keinen Blut-und-Gore-Schocker erwartet, sondern mit einer gewissen Widersprüchlichkeit und der nur langsamen Entwicklung eines Gruselpotentials leben kann. Das Ende ist dann zwar diskussionswürdig und passt meiner Meinung nach nicht unbedingt zu der offenkundigen Idee von Autor und Regisseur Daniel Stamm, aber da warte ich dann mal auf die DVD mit Director’s Cut... für sich genommen ist es zumindest sehr stimmungsvoll inszeniert und schlüssig.

Alles in allem ein kleines Highlight des Festivals, wenn auch in anderer Weise als erwartet. 7,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

30.08.2010, 14:18



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