TiMER

Review

von Alan Smithee
Der folgende Review enthält SPOILER!
Im Vorfeld wurde "TiMER" von vielen als seichte Komödie und damit fürs FFF unpassend gescholten. Eine romantische Komödie war "Timer" dann über weite Strecken auch, aber eine, die einen Dank ihrer originellen Grundidee und eines zweideutigen Endes ein wenig nachdenklich stimmte.

Emma Caulfield, die wir aus unseren "Buffy"-Tagen noch in guter Erinnerung haben, spielt darin Oona, eine Kieferorthopädin, die bald ihren 30. Geburtstag feiert, und mit ihrer Schwester Steph das gemeinsame Leid teilt nicht allzu viel Glück in der Liebe zu haben.
Abhilfe verspricht der "TiMER", ein kleines Implantat am Handgelenk, das angeblich verlässlich anzeigen kann, wann genau man der Liebe seines Lebens begegnen wird. Oonas TiMER gibt jedoch keine Zeit an, da ihr Traummann in spe ebenfalls einen TiMER tragen muss, damit das Ganze auch funktioniert. Und da der TiMER ein gebührenpflichtiges Produkt ist, hat er bei weitem noch keine 100%-ige Bevölkerungsabdeckung erreicht, auch wenn die Zahl der Nutzer kontinuierlich am Steigen ist.
Beziehungspartner, die sich aufgrund ihres TiMERs als "inkompatibel" erweisen, verlieren sofort Oonas Interesse ("What’s the point of continuing without a guarantee?"), bis sie eines Tages den wesentlich jüngeren Mikey kennenlernt, in den sie sich allmählich zu verlieben beginnt, obwohl ihn sein TiMER aus ihrer Sicht eigentlich disqualifizieren müsste..

Der Film bietet viel amüsante Situationskomik, stellt aber auch einige interessante Fragen, die sich aus meiner Sicht gar nicht mal so leicht beantworten lassen.
Wieviel Gewissheit möchte man in der Liebe wirklich haben? Der TiMER ersetzt nicht das Kennenlernen und Verlieben per se, nimmt einem aber die Ex-ante-Unsicherheit, ob man wirklich für sein Gegenüber geschaffen ist. Während des Films fragte ich mich, ob diese Unsicherheit beim allmählichen Kennenlernen nicht zu den schönen Dingen gehört, die durch den TiMER praktisch eliminiert werden. Andererseits dauert es oft Jahre, bis man eine andere Person wirklich "kennt", und Enttäuschungen oder böse Überraschungen sind auf dem "normalen" Wege keine Seltenheit. Ist es vielleicht nicht auch besser Gewissheit zu haben, statt das Risiko einzugehen eventuell niemals seine perfekte zweite Hälfte zu finden, bevor das Leben auch schon wieder vorbei ist?

Was den Film aus meiner Sicht von einer durchschnittlichen Hollywoodkomödie abhebt, ist mitunter, dass er darauf keine eindeutige Antwort gibt.

In einer schönen Szene spricht Oonas Mutter mit ihrer Haushälterin, deren Tochter Oonas jüngerem Bruder gemäß TiMER vorbestimmt ist. Die beiden Mütter kommen zu dem Schluss, dass es doch eigentlich viel schöner gewesen wäre, wenn sich ihre Liebe erst nach und nach ergeben hätte, mit all dem damit verbundenen Gezeter. Gleichzeitig klingt hier aber unterschwellig mit, dass die kulturellen Differenzen und der unterschiedliche soziale Status der Familien das Zusammenkommen der beiden unter Umständen verhindert hätte. Vielleicht wird ihre Liebe überhaupt erst durch den TiMER möglich, der die Vorurteile und denkbare Interventionen der Eltern im Keim erstickte...

Aus einer "Makroperspektive" heraus hätte ein TiMER durchaus auch gesellschaftliche Vorteile: Der Leistungsdruck auf den Einzelnen nimmt seit Jahren offenbar immer mehr zu wie auch die Zahl stressbedingter Erkrankungen. Da wäre es doch schön, wenn neben all den Belastungen, die das (Berufs-)Leben ohnehin schon mit sich bringt, wenigstens die Suche nach der großen Liebe erleichtert würde. Die Zahl unglücklich endender Beziehungen und Ehen würde sinken, ebenso die Zahl von Kindern, die psychisch darunter zu leiden hätte. Das subjektiv wahrgenommene Glück der Bürger stiege im Durchschnitt, und damit in etlichen Fällen vermutlich auch ihre berufliche Performance. :)

Vertraut man auf den TiMER, gibt man freilich ein Stück Selbstbestimmung auf, auch wenn er einen natürlich nicht dazu zwingt mit der ermittelten seelenverwandten Person zusammen zu kommen. Welche Entscheidung man für sich persönlich trifft und auch meine vorangegangenen Überlegungen sind dabei von einem entscheidenden Punkt abhängig:
Arbeitet der TiMER wirklich zu 100% akkurat, oder gibt er vielleicht doch nur eine Wahrscheinlichkeit an und verleitet die Menschen dazu im blinden Glauben an die Technik einen wertvollen Teil ihres Lebens zu verpassen?

Auch auf diese Frage gibt der Film schönerweise keine verbindliche Antwort.
Alan Smithee
sah diesen Film im Metropolis 1, Frankfurt

14.09.2010, 03:18



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