crazy

Rubber

Review

von Alan Smithee
Der folgende Review enthält SPOILER!
"Rubber" war er dann, der schräge (aber natürlich auch etwas traurige) Abschluss der Frankfurter Filmfestwoche über einen Killerreifen mit telekinetischen Kräften, der sich in eine französische Touristin verliebt und auf seiner abenteuerlichen Reise durch die Wüste unter anderem einen Hasen und die Köpfe vieler argloser Passanten explodieren lässt...

Zu Beginn erklärt ein Sheriff, der wohl das Alter Ego des Regisseurs ist, dass es in jedem großartigen Film ein "element of no reason" gäbe, weil dies auch auf unser tägliches Leben zutreffe. In "Rubber" ist Robert, so der Name unseres sympathischen Killerreifens, dieses Element, was aber nicht bedeutet, dass der ganze Film, wie manche behaupten, nur eine Ansammlung absurder Szenen "with no reason" ist.
Als Film im Film, in dem eine Gruppe Zuschauer mit Ferngläsern der Handlung folgt und diese kommentiert, liefert "Rubber" nämlich eine recht amüsante Reflexion über das Verhältnis von Zuschauern und Filmemachern.

In einer Szene glaubt der Sheriff, der Robert auf den Fersen ist, fälschlicherweise, dass alle Zuschauer im Film an vergiftetem Essen gestorben seien. Die Art, wie er mit seinen Kollegen umgeht, illustriert dabei, dass ein Film erst in den Köpfen der Zuschauer "real" wird und ohne sie nur ein künstliches Gebilde bleibt.
Gleichzeitig stellen Zuschauer während eines Filmes stetig in Frage, wie realistisch das Gezeigte ist (u.a. im physikalischen Sinne). Die Szene, in der Robert in den Swimmingpool rollt, zeigt sehr schön, dass Filme umgekehrt aber auch das Weltbild der Zuschauer und ihre Vorstellung darüber, was eigentlich realistisch ist, beeinflussen: Auf die Frage einer Zuschauerin, ob ein Reifen im Wasser überhaupt untergehen könne, erwidert ein Mann neben ihr lediglich, dass er das natürlich tue, denn sie hätten es ja gerade (im Film) gesehen.
Später versucht der Sheriff, Robert mit einer Frauenpuppe und Dynamit in sein Verderben zu locken, wird dabei aber vom letzten überlebenden Zuschauer unterbrochen, der sich über die "Sinnlosigkeit" der Szene beklagt und mehr Action fordert. Er macht Vorgaben für die Handlung, ohne dabei selbst ein Risiko eingehen zu wollen, und wird dafür witzigerweise auch umgehend bestraft.
Die Message an dieser Stelle ist offensichtlich: So wichtig Zuschauer für Filme auch sind, ist Filmemachen vor allem eine Kunstform und damit mehr als nur die Befriedigung von Unterhaltungsbedürfnissen des Publikums. Das Ende des Films ist in diesem Zusammenhang wohl als Seitenhieb auf die großen Hollywood-Blockbuster zu verstehen, die in den Augen vieler für kommerzielles Massenentertainment ohne künstlerische Relevanz stehen.

Unterm Strich fand ich "Rubber" sehr unterhaltsam, die Grundidee des Films aber nicht ausreichend, um einen ganzen abendfüllenden Film zu tragen. Vermutlich wäre Robert in einem Kurzfilm tatsächlich besser aufgehoben gewesen, wie eine Kollegin meinte. Ein ungewöhnlicher und über weite Strecken sehr schöner Abschluss des Filmfests war der Film für mich aber dennoch.
Alan Smithee
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

14.09.2010, 03:25



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