High Tension

Unter der Haut

von Rohrkrepierer
Was wurde über diesen Film erzählt? Er solle ungeheuer hart sein. Mit so ziemlich allen Tabus brechen und wohl der schlimmste Film der letzten Jahrzehnte sein (so wurde er sogar kurz vor Beginn angekündigt). Viel mehr scheint man wohl nicht mehr erzählen zu müssen, um Publikum zu ziehen.

Leute, es ist echt schade, wenn man Filme nur auf diese billige Weise unters Volk bringen zu können glaubt. Noch dazu, wenn man es mit einem solchem zu tun hat.
Der Film besitzt ein Flair, das ihn wirklich einzigartig macht. Und dieses Verdienst gebührt bestimmt nicht der Brutalität.
Trotz eher mauer Storyline und einem für mich zumindest hervorsehbaren Ende - samt mächtiger Logiklücken - ist dem Team hier ein annähernd perfektes Psychoschauspiel gelungen.

"Haute Tension" macht seinem Titel wirklich alle Ehre. Von den ersten Sekunden an zieht sich eine Schlinge um die Nerven des Zuschauers und wird im weiteren Verlauf immer fester gezogen, weit über die Ohnmacht hinaus.
Dazu trägt die Kameraarbeit einen großen Teil bei. Ist sie es doch, die dem Film diese katastrophale Kühle verleiht und ihn dadurch so ungemein zynisch wirken läßt. Der Einsatz des Lichtes ist schlicht und einfach brillant zu nennen und würde sogar einem Fulci zu Ehren gereichen. So effektvoll können diese Stümper in Amerika gar nicht arbeiten.

Jeder Schauplatz hält einen Ekel bereit, der sehr subtil daherkommt und in einem brutalen und gar nicht mehr so unschuldig daherkommendem Fiasko endet. Dieses Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers wird wirklich perfekt betrieben.
Die viel zitierte Brutalität ist da nur ein Puzzleteil, welches aber genau zu passen scheint. Jede schweißtreibende und nervenzerfetzende Situation wird im wahrsten Sinne des Wortes jäh zerschnitten von der expliziten Darstellung der Gewalt. Das funktioniert in den meisten Einstellungen perfekt, doch einige unschöne Splattermomente haben sich eingeschlichen, die einem Film, der mit diesem gnadenlosen Ernst daherkommt, nicht gut zu Gesicht stehen. Da wurde zu tief in die Trickkiste gegriffen, und das läßt vor allem den ersten Mord - trotz hervorragender Vorbereitung - eher peinlich deplaziert wirken - so leicht abfliegende Köpfe sind eben eher ein Funsplatter-Element.

Doch diese Elemente kommen selten vor und können den Gesamteindruck nicht zerstören.
Und der ist äußerst positiv.

Erwartet hatte ich einen heftigen Splatterreigen im Stile eines W. Lustig mit expliziter Gewaltdarstellung zum reinen Selbstzweck.
Geboten wurde ein ernster, zynischer und kalter Thriller nach italienischer Schule, der einen am Positiven im Menschen zweifeln läßt.

Böser Film ohne ein einziges Augenzwinkern - Alexandre Aja möchte ich nicht im Dunkeln begegnen. Auch nicht am Tag. Am besten nie. Aber seine Filme - insbesondere diesen - werde ich mir immer und immer wieder ansehen müssen. Brillant!
Rohrkrepierer
sah diesen Film im Cinecitta', Nürnberg

02.08.2004, 20:02



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