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Control (2003)

Auf und ab...

Viel braucht man zu "Control" nicht mehr zu sagen, das wichtigste haben schon alle bisherigen Reviews vermittelt: es handelt sich hier um einen nicht gerade typischen FFF-Film, er ist wesentlich philosophischer und gleichzeitig (im Wortsinn) wesentlich mehr "down to earth" als ein Großteil des sonstigen Programms.

Ich hatte mich ja schon, aufgrund bisheriger Kritiken, auf ein nachdenkliches Independent-Drama mit derb-komischen Momenten eingestellt. Genau das bekam ich auch - aber dennoch fühlte ich mich öfters wie im falschen Film. Präziser: wie beim ARTE-Themenabend "osteuropäischer Alltag, osteuropäische Subkulturen". Klar ist ARTE nun ein feiner Sender. Und gerade ich, der ich immer über die Mainstream-Lastigkeit der FFF-Eröffnungsfilme gemeckert hatte, kann es Rosebud kaum hoch genug anrechnen, daß sie mal etwas wirklich vollkommen anderes, eher mal absolut NICHT massenpartykompatibles für den Start gewählt haben.

Aber dennoch stellte ich mir mehrfach die berühmt-berüchtigte Frage: "Gehört dieser Film wirklich auf dieses Festival?" - und das ist sogar noch wertneutral gemeint. Denn so sehr ich ja Filme wie "Mechanism" oder von mir aus auch "Gangster No. 1" (oder einen x-beliebigen anderen, wohlgemerkt guten, in der Realität verhafteten Film) auf dem FFF schätzte: diese hatten einen deutlich stärkeren "Punch" als "Control". Will sagen: natürlich wäre es traurig, wenn wir auf diesem Festival nur (im weitesten Sinne) Fantasy-angehauchte Filme zu sehen bekämen. Ich finde es großartig, ein weites Spektrum von Filmen geboten zu bekommen, die einfach nur in irgendeiner Weise ungewöhnlich, off-Mainstream sind. Trotzdem will ich hier aber keine Autoren- oder Kunstfilme sehen. Die sind mir nämlich, sorry für die Ignoranz, schlicht zu langweilig.

Natürlich ist das Geschmackssache. Und ich will nun "Control" auch nicht als ein solches Machwerk bezeichnen. Er hat es nur insgesamt einfach nicht ausreichend geschafft, mich irgendwo zu berühren - obwohl er gute Kameraarbeit, spannende Charaktere und vor allem einige verdammt lustige Witze bzw. Szenen bietet. Er bietet aber ebenso stellenweise grandios platten Symbolismus (Beispiele? Die Eule... das Thema "Engel"... das Ende...! Nein, dies sind keine Spoiler ;) ). Er bietet keine echte Story. Und er bietet vor allem einige jämmerlich schwache Stellen im Drehbuch: Tricks, mit denen dem Geschehen eine Größe verliehen werden soll, die es dann aber so einfach nicht hat. So werden etwa mehrmals Ereignisse in der Vergangenheit angedeutet, die heutige Situationen und Verhaltensweisen begründen. Ist dann nur toll, wenn nicht erklärt wird, was das für Ereignisse waren...?! Auf diese Weise legt sich der Film seine Antworten auf notgedrungen offene Fragen zurecht, weicht mit ihnen aber im Endeffekt nur aus. Tatsächlich bleibt somit vieles nicht nur ungeklärt - sondern erscheint schlichtweg konstruiert.

Und insgesamt wird hier häufig mehr oder minder deutlich ein Anspruch formuliert, "die Welt" oder zumindest "die Menschen" bzw. "menschliche Dramen" wenn nicht zu erklären, so doch zumindest in Bilder und (oft ausformulierte) Gedanken zu fassen. Der Versuch, diesen Anspruch einzulösen, geschieht dann aber auf zumeist nur naive bzw. klischeebeladene Weise.

Wenn man die Ruhe und Bereitschaft hat, über diese Schwächen und die immer wieder auftretenden Längen hinwegzusehen, erlebt man mit "Control" ein manchmal durchaus faszinierendes Abbild der (wohl gesamt-menschlichen) Unterwelt, das es zumindest schafft, Interesse und Sympathie für einige seiner Charaktere zu wecken (unglaublicherweise sogar, wenn man ein paar Jahre Erfahrung mit den Kontrolleuren der Berliner U-Bahn gesammelt hat...!). Und das streckenweise auch gut unterhält. Trotzdem glaube ich, daß der Film an einer anderen Stelle besser aufgehoben wäre als beim FFF-Premierenabend. Denn dafür ist er am Ende zu verkopft, und: einfach zu "normal".
Dominic Saxl
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt
OOOOOO....
05.08.2004, 04:48
 

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