Enter the Void

A lot goes on - but nothing happens...

von moonsafari
Die Idee den Zuschauer mit den Augen des toten Hauptprotagonisten nach dessen Ableben die Handlung weiter verfolgen zu lassen ist eine gute.

Das ganze in Tokio anzusiedeln folgt dem Zeitgeist.

Drogenerfahrungen visuell anschaulich aufzubereiten lässt auch drogenunerfahrene einen Trip nachvollziehbarer machen.

Explizite und nie dagewesene Sexszenen wie Filmaufnahmen im inneren einer Vagina bedienen den Voyeurismus.

Minutenlanges weisses Licht auf der Leinwand lässt den Zuschauer das langsame, anscheinend niemals endende Ableben eines Menschen schmerzlich spüren.

Nur was bleibt?

Selbst im Jahre 2010, lange nach dem Wackelkamerahype, werden ebensolche als Stilmittel eingesetzt um den Zuschauer die Geschichte nicht nur als Konsument zu erleben sondern erfahrbar zu machen. Der mündige Zuschauer kann darauf verzichten. Der Einsatz solcher Technik misslingt zudem dann, wenn der Hauptdarsteller sich zu roboterhaft bewegt. Aufkommende Übelkeit kann eine Nebenwirkung sein und ist in keinem Falle identifikationsstiftend.
Gefühle (positive wie negative) werden durch die Macht der Drogen stark gedämpft. Gaspar Noé versteht dies audiovisuell gekonnt umzusetzen. Die damit verbundene unaufhaltsame Langeweile ermüdet jedoch zusehends. Lediglich die Kindheitserfahrungen der Geschwister, die als einzige den Autounfall mit ihren Eltern überleben, sind eindrücklich und lassen den Zuschauer kurz vor dem Hinabgleiten in die totale Filmstarre aufschrecken. Davor/danach ist jede Gefühlsregung, ja die ganze Handlung an sich, in Watte gepackt. Drögheit, Langsamkeit und Gelangweilt sein befällt die Protagonisten wie den Zuschauer gleichermassen.
Tokio, als eine einzige strassenleere(!) Neonreklame, erscheint sehr modellhaft und lässt daran zweifeln, der Film sei tatsächlich vor Ort gedreht worden.
Weiterhin ist eine im Drogen- und Stripmilieu angesiedelte Geschichte im Jahre 2010 weder spektakulär noch besonders aufregend. Daran ändern auch technische, höchstaufwendige und teure Finessen nichts. Denn daraus wird die Aneinanderreihung pornographischer Szenen, sowie die gesamte Inhaltsleere eines Junkie-/Stripperinnendaseins, nicht interessanter und erst recht nicht zur Kunst.

Das selbstverliebte Aufbauschen und damit verbundene minutenlange Andauern von Szenen, die auf den Punkt gebracht den Verlauf des Films erheblich beschleunigen und deutlich verbessern würden, verlangen nicht nur ein immenses Sitzfleisch, sondern vor allem einen wachen Geist, da die schon zu Anfang des Films aufkommende Langeweile unaufhaltsam ist und nichtendend wollende Szenen, die für den Handlungsverlauf weder maßgeblich noch förderlich sind, den Zuschauer gequält und erschöpft ohne Fastforwardtaste im Kinosessel zurücklassen. Der Film eine echte Enthusiasmusbremse. Überschätzt und selbstverliebt. Langweilig und ohne Nährwert - selbst für Junkies und Stripperinnen. Selbstzweckkino in Reinform. Überflüssig. Lässt Herrn Noé aber im Gespräch bleiben.

Fazit: A lot goes on -- but nothing happens.
moonsafari

18.09.2010, 15:58



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