Evil Words

Schreibkrampf

von D.S.
Thomas Roy ist ein erfolgreicher Horrorautor mit Abertausenden Fans weltweit, der vor immer neuen Romanideen geradezu überschäumt. Dabei läßt er sich offenbar von realen Ereignissen inspirieren, denn seine Stories weisen eine frappierende Ähnlichkeit zu spektakulären Dramen auf, die in seiner unmittelbaren Umgebung stattgefunden haben. Oder steht er etwa in einer ganz anderen Verbindung zu diesen Geschehnissen...?

Auch wenn der Genrefan die Antwort auf diese Frage recht schnell erahnt, hat er damit noch lange nicht den ganzen Film durchschaut, denn es steckt zur Abwechslung mal wieder vieles mehr hinter den merkwürdigen Vorfällen, als es zunächst den Anschein hat. Und so verfolgen wir mit dem Psychiater der Klinik, in die Roy nach Selbstverstümmelung und Selbstmordversuch eingewiesen wurde, wie Schritt für Schritt der monströse Hintergrund des ganzen aufgedeckt wird...

Trotz diverser Überraschungen macht der Film dabei aber deutlich zu kleine Schritte. Das heißt: selbst, wenn ein Fakt nun wirklich langsam jedem Zuschauer klar geworden ist, beschäftigt sich "Evil Words" noch immer eine ganze Weile damit, ihn auf umständlichste Weise zu erklären. Das führt dazu, daß der Film nach seinem spannenden Beginn und vor seinem furiosen Ende einen leider arg lang und oft langweilig geratenen Mittelteil aufweist. Insbesondere hier fällt auch des öfteren auf, daß Gedanken und Gefühle der Figuren nicht etwa überzeugend dargestellt, sondern in hölzernen Dialogen beschrieben werden - was Lebhaftigkeit und Glaubwürdigkeit alles andere als zuträglich ist.

Aber Glaubwürdigkeit ist bei dieser Sorte Film ohnehin nicht gerade das zentrale Thema: die Story ist natürlich komplett bei den Haaren herbeigezogen und mit diversen Klischees versehen worden. So tauchen zum Beispiel gleich mehrfach die berüchtigten "mysteriösen Fremden" auf, die in kryptischer Weise von drohendem Unheil brabbeln.

Andererseits sind diese Schwächen nun auch nicht in einem so hohen Maße vorhanden, daß sie einem den Spaß am Film nehmen würden. Es geht hier nun mal nicht um totalen Realismus, und da schadet dann auch die eine oder andere Überhöhung nichts. Zudem, wenn sie der Inszenierung nutzt - und "Evil Words" ist erstaunlich spannend und adrenalinfördernd geworden, überrascht weiterhin mit ein paar physischen Heftigkeiten und einer allemal interessanten, konsequent umgesetzten Geschichte.

Gäbe es nicht die genannten Längen, wäre der Look etwas weniger billig und die Schauspieler etwas besser, der Film hätte in seinem Bereich echte Maßstäbe setzen können. So ist "Evil Words" - der stellenweise fast wie eine Mischung aus "Die Mächte des Wahnsinns" und "Die purpurnen Flüsse" daherkommt - leider nur guter Durchschnitt geworden. Aber ein Blick kann in jedem Fall riskiert werden. 5,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

11.08.2004, 03:28



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