Was passiert, wenn zwei Verlierer sich in ihrem schwärzesten Moment, ausweglos am Abgrund ihrer jämmerlichen Existenzen stehend, all den Ärger, all den Streß, all die Menschen, ja alles um sich herum einfach ganz fest weg wünschen?
In der Realität: nichts. In diesem Film: Nichts. Wobei der wesentliche Unterschied zwischen den Ergebnissen nicht in Groß- und Kleinschreibung zu suchen ist. Sondern in der Form des Gelächters, die sie produzieren: ersteres vermutlich maximal höhnisches (falls das "Publikum" eine entsprechende Persönlichkeitsstruktur aufweist). Zweiteres dagegen wohl vorwiegend ungläubiges, fasziniertes, blendend amüsiertes. Die Sorte Gelächter eben, die nur ein Haufen materialisierter Absurdität hervorrufen kann.
"Nothing" basiert auf einer kleinen, aber schön bizarren Idee, die vom Film konsequent auf die Spitze getrieben wird. Man kann sich kaum vorstellen, wie viele bescheuerte Dialoge und wahnwitzige Aktionen sich aus einer so minimalistischen Ausgangssituation wie der zweier neurotischer Freunde, die sich auf einmal mit all ihren Habseligkeiten im sprichwörtlichen Nirgendwo wiederfinden, konstruieren lassen.
Wobei "Nothing" keinesfalls NUR auf Klamauk aus ist: die beiden Protagonisten werden von Anfang an mit tragischen Untertönen gezeichnet; und als sie im Verlauf des Films beginnen, mehr über sich selbst und ihre Beziehung zueinander zu begreifen, rückt das Ernsthafte kurzzeitig sogar in den Vordergrund. Was "Nothing" nun mal ganz grundsätzlich von albernen Hollywood-Komödien unterscheidet: bei aller Absurdität des Gezeigten ist und bleibt das hier immer auch eine Parabel über menschliche Verzweiflung und menschliche Sehnsüchte, zeichnet Natali ein bitterböses Bild gesellschaftlicher und zwischenmenschlicher Verhältnisse.
Vorrangig aber ist "Nothing" natürlich durchaus eine Komödie - oder eher eine Groteske. Die ein einziges größeres Problem aufweist: das nicht konstant ausreichend hohe Tempo, in dem uns das Geschehen präsentiert wird. An die atemberaubende Geschwindigkeit der Eröffnungssequenz, die im besten Sinne an die Cartoon-Abschnitte diverser Monty Python-Werke erinnert, kommt der Film in seinem weiteren Verlauf ohnehin nie wieder heran. Aber auch davon abgesehen geht er streckenweise zu sehr vom Gas, kommt manchmal fast zum Stillstand. So wird es dann beispielsweise auch für das Publikum irgendwann arg anstrengend, als die beiden Protagonisten sich eine Zeitlang in aller Ausführlichkeit nur noch gegenseitig auf die Nerven gehen. Hier hätte ein wenig mehr Straffung dem Film durchaus gut getan.
Das bleibt für mich aber auch der einzig nennenswerte Kritikpunkt. Ansonsten ist "Nothing" ein kleines, skurriles Meisterwerk, das mehr Humor aufweist als alle Hollywood-"Spaßfilme" der letzten fünf Jahre zusammen. 7,5 Punkte. Und nicht vor dem Ende des Abspanns aus dem Saal gehen! |