Auf dem FFF habe ich "The Big Empty" leider nicht sehen können - aber zum Glück gibt es ja nette Mailinglisten-Teilnehmer, die einem Pressetapes in die Hand drücken ;)
... denn sonst hätte ich einen durchaus interessanten Film verpaßt, der vom Publikum allerdings Zeit und vor allem eine gewisse Konzentrations-Lust verlangt, denn er ist nun mal vor allem eines: sehr, sehr ruhig - und bis ins Detail obskur. Wenn auch, mir zumindest, nicht obskur GENUG, um schließlich vollends zu überzeugen. Wer Filme mag, die den Zuschauer lange darüber im Unklaren lassen, was hier wirklich gespielt wird bzw. worum es denn nun eigentlich überhaupt geht, dürfte sich hier dennoch gut aufgehoben fühlen. Denn "The Big Empty" bietet immer noch mehr als genug Seltsames (und gleichzeitig auch sehr viel "Schönes"), um zu den besseren Filmen seiner Art zu gehören.
Dabei erzählt er eine selbst schon seltsame, allerdings nicht sehr große Geschichte: John, ein erfolgloser Schauspieler, der nichts als Schulden hat, erhält von seinem anstrengend-aufdringlichen Nachbarn (der John erstaunlich gut zu kennen scheint...!) den Auftrag, einen blauen Koffer in einem Wüstenkaff an einen mysteriösen Trucker, der sich "Cowboy" nennt, zu übergeben. Zunächst gar nicht von dieser Idee begeistert, willigt John schließlich ein, als man ihm zusichert, dafür genau das Geld zu bekommen, das er zur Schuldentilgung braucht. Auf geht es also in die große Leere... auf geht es nach Baker, Kalifornien. Dort muß John feststellen, daß er "Cowboy" verpaßt hat. Während er auf seine Rückkehr wartet, hat er ausreichend Zeit, die skurrilen Einwohner des Örtchens, ihre Sorgen und ihre Konflikte miteinander näher kennenzulernen - und mit einigen davon kommt er sogar hautnah in Kontakt...
Storymäßig war‘s das dann schon fast, auch wenn es natürlich noch die eine oder andere Verwicklung und Überraschung gibt - und sich irgendwann sogar die Bundespolizei für einen Teil des Treibens zu interessieren beginnt. Aber schlußendlich dient all das nicht, jedenfalls nicht in erster Linie, zum Vorantreiben einer Handlung. Sondern es fungiert mehr oder weniger als eine Art Leinwand, auf der die unterschiedlich stark ausgeprägten Psychosen der Einwohner gezeichnet werden.
Mehr "Handlung" im eigentlichen Sinne braucht es aber auch nicht unbedingt, denn unser Protagonist begegnet hier einigen wirklich sehr seltsamen Menschen, deren Skurrilität zwar fast durchgängig "leise" in Szene gesetzt wird, aber nichtsdestoweniger gut unterhält - und natürlich auch diverse Lacher produziert. Teilweise fühlte ich mich hier tatsächlich fast nach Twin Peaks versetzt, insofern stimmt der Kommentar im FFF-Programm schon. Wenn das alles auch natürlich nie die verstörende Wirkung der Werke David Lynchs erreicht, und vor allem auch nie eine so bedrohliche Stimmung in der Luft liegt. Dennoch ist "Twin Peaks" ein recht treffender Vergleich, und als dann zum ersten Mal "Agent Banks" erwähnt wurde, erwartete ich für einen Moment glatt, gleich Kyle MacLachlan durch die Szenerie stapfen zu sehen ;)
Leider wird "The Big Empty" dann gegen Ende hin recht unbefriedigend. Man bekommt fast den Eindruck, der Film habe nun mal irgendwie einen Abschluß finden müssen, und da machte man dann, was sich gerade so anbot. Das ist schade, denn nach einer gewissen Zeit war man dann eigentlich doch ziemlich gespannt auf die Auflösung des Mysteriums - die aber eben die Erwartungen nicht halten kann, meiner Meinung nach. Zudem wird der Geschichte eine Moral angehängt, die ich unpassend und auch recht platt fand. Außerdem kommt mir unser Protagonist mit ein paar Leuten zu wenig in Kontakt. Statt die selbe Art von Obskurität immer und immer wieder präsentiert zu bekommen, hätte ich gerne ein paar mehr verschiedene Skurrilitäten erlebt.
Das alles gibt ein paar Punkte Abzug in der Gesamtbewertung - aber dennoch ist "The Big Empty" eine klare Empfehlung, wenn man einen Film sucht, über den man etwas mehr nachdenken muß. Es gibt wunderbar merkwürdige Charaktere und gute Schauspieler - und es gibt außerdem eine Kameraarbeit zu bewundern, die einige großartige Bilder verantwortet. Insgesamt 6,5 Punkte, aber mit steigender Tendenz. |