The Divide

Intelligenz-Endzeit

von D.S.
THE DIVIDE ist als postapokalyptisches Kammerspiel angelegt: Während eines vernichtenden Atombombenangriffs auf New York können sich einige Mieter in einen Keller unterhalb ihres Wohnhauses retten. Eingeschlossen und von der Außenwelt abgeschnitten prallen die sehr unterschiedlichen Charaktere heftig aufeinander und streiten um den richtigen Weg, mit der Situation umzugehen. Ansonsten passiert im Film vor allem NICHTS - dessen muss man sich bewusst sein.

Damit ein solches Kammerspiel mit einer Handvoll Figuren auf begrenztem Raum funktioniert, bedarf es vor allem guter Dialoge und detaillierter Charakterzeichnungen. Leider aber ist THE DIVIDE ein dezidiert amerikanischer Film, und das bedeutet, dass er bei diesen beiden Grundessenzen eines solchen Filmtypus' extrem oberflächlich vorgeht. Konkret heißt das: Sämtliche Figuren entstammen direkt dem Reißbrett. Wir haben die Macho-Prolls (darunter HEROES-Star Milo Ventimiglia), das Weichei, den halbharten Kerl mit gutem Herzen und so weiter. Noch schlimmer: Sie alle sind von Minute 1 an als das erkennbar, was sie sein sollen. Es findet aber auch nicht die geringste Entwicklung der Charaktere statt - und sie werden mit der Subtilität eines 18-Tonners als Vertreter derjenigen Klischeerollen vorgestellt, die sie über erschreckend lange 110 Minuten ausfüllen sollen.

Eskalierende Konflikte? Unerwartete Allianzen? Überraschende Offenbarungen? Alles Fehlanzeige, man weiß von Anfang an, wer wo steht und wo seine jeweilige Reise hin geht. Falls jemand da allerdings nicht gleich mitkommt, kein Problem: dumpfe Dialoge wiederholen die einzelnen Positionierungen im maximal 10-Minuten-Takt noch mal.

Zudem wird uns nicht einmal nahe gebracht, warum sie die sind, die sie sind. Bestenfalls wird die Vergangenheit einzelner Figuren kurz einmal angerissen. Es handelt sich also um lebende Schablonen ohne Hintergrund ¬- was es extrem schwer macht, an irgendeiner von ihnen ernsthaftes Interesse zu entwickeln.

Mit fortschreitender Laufzeit wächst die Aggression unter den Überlebenden, die Konflikte eskalieren, werden brutaler und die Stimmung immer angespannter. Da man sich inzwischen an die Gleichförmigkeit der Handlung und ihre grundlegende Vorhersehbarkeit gewöhnt hat, kann man dem Film hier einen gewissen Unterhaltungswert nicht mehr absprechen. Neuartiges bietet THE DIVIDE aber in keinem Moment, und selbst „nur" ein so intensiv beklemmendes Gefühl wie etwa bei FRONTIER(S) kommt hier einfach nicht zustande.

Was bleibt? Gute Kameraführung, gerade im letzten Drittel einige sensationell komponierte Bilder, mit passendem Soundtrack zu einem emotionalen Höhepunkt führend. Ein paar heftige Gewaltspitzen. Und eine Ausgangssituation, die viel Potential bietet - das aber nicht ausgeschöpft wird.

THE DIVIDE ist vergleichsweise hartes, düsteres Mainstreamkino voller Klischees und inhärentem Kitsch, das optisch besticht, inhaltlich aber viel zu wünschen übrig lässt. Ein Film muss ja nicht intelligent sein, um gut zu unterhalten. Wenn er sich aber so offensichtlich als intelligent positionieren will, dabei aber im Kern dermaßen strunzdoof ist - sind mehr als 6 Punkte für mich nicht drin.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

28.08.2011, 04:29



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