V/H/S

VHS ist _NICHT_ Digital!

von Sidschei
Bei allem Respekt gegenüber den hier vertretenen Regisseuren. Und abgesehen von aller Abneigung, die ich gegen Found-Footage-Mockumentary-Wackel-Cam habe: Denn selbst, wenn ich die abschalte, war das mit Abstand das schlechteste Stück Film, das ich seit langem gesehen habe. Inhaltsleerer, langweiliger, zusammenhangsloser und nochmal inhaltsleerer geht’s ja kaum. Und das trifft auf nahezu jede der gezeigten Episoden zu. Denn was sehen wir da in aller Regel: Erstmal eine unnötige Einführung, in der wir irgendwelche langweiligen Charaktere bei irgendwelchen langweiligen Aktionen betrachten dürfen, die nichts, aber wirklich nichts zur Sache beitragen. Nach eine gefühlten Ewigkeit und meistens knappen 20 Minuten schwenken die Episoden dann kurz zu ihrem (mehr oder weniger effektvollen und) blutigen Ende um. Schnipp. Das war’s. Nächste Episode. WTF? Wirklich selten so gelangweilt und so wenig verpasst, selbst wenn man über die Hälfte des unerträglichen Machwerks auf 4xFF anschaut. Boar.

Und selbst wenn ich mich nun gar nicht auf die langweiligen Episoden konzentriere, sondern nur die Machart des Filmes betrachte, war dies wirklich mit Abstand das grauenhafteste Werk, welches ich seit langem gesehen habe. Dass die Episoden keinerlei Zusammenhang haben, ist ja irgendwie noch verkraftbar, wenn das Umfeld dafür sorgt, dass dies auch nicht gewollt ist. Bei jedem Tales of the Crypt ist das so und nur kleine Einspieler ketten die Episoden aneinander. Aber wenigstens werden die Episoden dort mit kleinen Zwischengimmicks aneinander geklebt. Und nicht einmal das funktioniert bei V/H/S auch nur irgendwie.

Und das hätte ich also schon erwartet, wenn ich eine Kurzfilmsammlung unter dem Titel V/H/S sehe, dass es hier irgendwie zumindest ansatzweise einen kausalen Zusammenhang gibt. Aber sorry, konnte ich nicht sehen und warum diese Ansammlung langweiliger, uninteressanter und uninspirierter Episoden unter dem Deckmantel V/H/S zusammengefasst wird, erschließt sich mir in keinster Art und Weise. Auch wenn der Film dies (in meinen Augen vergebens) versucht zu erklären, bleibt es mindestens so sinnlos wie jede einzelne Episode dieses Quarks hier.

Und da kommen wir schon zum nächsten Punkt: Ich bin eine Generation, die mit VHS-Tapes und deren Macken und Tücken aufgewachsen ist. Ich sollte eigentlich in Nostalgie schwelgen, wenn ich eine Horrorfilmsammlung mit dem Titel V/H/S sehe. Doch was der Film mir hier geboten hat, war keine nostalgische Huldigung dieses so von schlechten Horrorfilmen geprägten Zeitalters, sondern nur eine weitere, absolute Frechheit.

Ja. In der Tat: Man hat sich bemüht, die VHS-typischen Macken zu präsentieren: Sei es der blaue Bildschirm, der erscheint, wenn das Bild zu viele Störungen aufweist oder eben das Band zu Ende ist. Seien es die typischen Bildfehler am überwiegend unterem Bildschirmrand des TV-Gerätes, wenn das Band zu oft abgenuddelt wurde oder sich mal im Abspielgerät verfressen hat, seien es die wandernten Laufstriche über das gesamte Bild, meist in horizontaler Erscheinung, wenn das Band noch mehr abbekommen hat. Alles typische Merkmale der damaligen Zeit. Nun hat man hier in der Tat versucht, diese Merkmale teilweise zu implementieren, doch leider ist das völlig in die Hose gegangen. Und zwar so dermaßen in die Hose, dass ich mich allen Ernstes frage, ob überhaupt irgendeiner der hier vertretenen Regisseure jemals ein VHS-Band gesehen hat?

Die ganzen Störfaktoren, welche hier künstlich ins Bild generiert wurden, wirken schlichtweg nur unecht und man merkt ihnen ihre digitale Herkunft zu jedem Zeitpunkt einfach nur zu deutlich an. Da kann für alte VHS-Hasen wie mich einfach keine Stimmung aufkommen, wenn man sich hier nicht an die einfachsten Grundregeln eines bandbetriebenen Abspielgerätes hält. Zu schnell, direkt und eben zu digital erkennbar erscheinen hier die Störstreifen im Bild. Zu schnell erscheint der blaue Bildschirm und teilweise völlig unecht sind die anderen Abspielfehler, die man hier auf Grund der veralterten Abspieltechnik suggerieren möchte. Liebe Leute: Bevor ein VHS-Abspielgerät einen blauen Bildschirm zeigt, gibt es erstmal Bild-Streifen-Fehler bis zur Unkenntlichkeit. Und eben diese Bild-Streifen-Fehler bauen sich langsam auf, bevor sie ihre komplette Wirkung entfalten. Etc. pp. Ne, sorry. Das war mal absolut und überhaupt gar nichts! Der Versuch, hier alte Abspielstimmung zu erzeugen, ging – wie so vieles andere – völlig in die Hose.

Der absolute Hammer und ein absolutes NoGo war dann allerdings, dass man typische digitale Fehlerquellen in dem analog abgespielten Material eingebaut hat. Und da wusste ich nun also wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen soll, als ich das gesehen habe. Aber nein: Die typischen Pixelfehler einer heutigen Digitalkamera gab es damals einfach nicht, liebe Macher. Das ist absoluter Blödsinn und wirklich total danebengegriffen und führt den Namen eurer unerträglichen Filmeansammlung einfach völlig ad absurdum. Wie man sich dann noch erdreisten kann, in einer VHS genannten Ansammlung von Kurzepisoden eine zu zeigen, die via Laptop und Web-Kamera aufgenommen wurde, schlägt dann dem Fass wirklich komplett den Boden aus. Von der Brillenkamera sehe ich da sogar dann noch großzügig ab, auch wenn es ebenfalls total daneben ist. Was zur Hölle hat das alles in einer VHS getauften Filmesammlung zu suchen? Eben: NICHTS! Setzen. Sechs!

Den Gipfel all dieser Unerträglichkeiten präsentieren die Macher der einzelnen Episoden dann aber auch in der Inkonsequenz ihrer Fähigkeit, ein Found-Footage respektive Mockumentary zu präsentieren. Es ist ja (für mich) schon unerträglich genug, diese Handkamera-gefilmten Filme anzuschauen. Dass man dann hier aber noch mit unfassbaren Schnitten gearbeitet hat, die Vor-, Rück- und Nebenblenden beinhalten und jeglichen Sinn eines im eigentlichen Ursprungs am Stück gefilmten Werkes zu rauben verstehen, lässt mich am Ende – völlig unabhängig, was ich von dieser Machart halte – nur noch völlig ungläubig mit dem Kopf schütteln.

Betrachtet man all diese Mängel, die V/H/S schon ohne einen Blick auf den einzelnen Inhalt der Episoden zu bieten hat... so muss man die Episoden alleine einfach schon gar nicht mehr erwähnen, da dieser Film sich schon allein durch das technische Umfeld komplett alleine ins Abseits geschossen hat!

Aber wenn es denn sein muss, kurz und knapp:
Episode 1: Eine unerträgliche Episode mit unerträglichen Längen. Bis diese Episode endlich ihr Ende erreicht hat, dachte ich bereits, dass schon längst 90 Minuten vorüber sein müssten. Die ersten 20 Minuten Betrachtung irgenwelcher pubertierenden, Disco-besuchenden und saufenden Jugendlichen ist so dermaßen uninteressant und langweilig, dass ich den an sich spaßigen Clou des Endes der Episode überhaupt nicht mehr witzig fand. Auf maximal 10 Minuten heruntergekürzt, hätte die Episode vielleicht Spaß gemacht. Aber so... ? Furchtbare Schnitte inklusive.
Episode 2: Genau dasselbe Problem. Eine unerträglich langweilige Einführung, die so inhaltsleer ist, dass man schon jetzt schlaftrunkene Augen bekommt. Ich hab’s nicht mehr ertragen und gerne auf 4-fach-FF umgestellt bis zum eigentlichen Clou der Episode, welches mich nach der geborgenen Langeweile der Einführung in diese Geschichte, der zuvor gesehenen und dieser hier schon nicht mehr interessierte.
Episode 3: Die einzige Episode, der ich etwas positives hätte abgewinnen können, wenn ich sie alleinstehend hätte gesehen. Nicht ganz so in die Länge gezogen bietet sie einfach das, was ich von einem Kurzfilm dann erwarte und es wird nicht nur kurz am Ende was geboten, sondern über die gesamte, recht kurze Laufzeit. Leider war ich schon so gelangweilt und vom Umfeld genervt, dass mich auch das hier nicht mehr packen konnte. Aber hier konnte ich wenigstens etwas Sinn erkennen, würde sogar von einem VHS-Mörder irgendwie reden. Denn wie das Auftreten in der Art des "Macrovision-Kopierschutzes" hier präsentiert wurde, hatte schon irgendwie was.
Episode 4: Nicht nur, dass ich sie nicht verstanden habe, gehört ein mit Web-Kamera aufgenommenes Filmchen nicht in eine Filmsammlung mit dem Namen VHS. Sorry. Thema verfehlt.
Episode 5: War ich nicht mehr in der Lage, wirklich wahrzunehmen. Ebenfalls extrem langweilige, langatmige und uninteressante Einführung, die zu einem zwar durchaus pfiffigen, aber einfach durch die unerträgliche und schlechte Inzenierung mich nicht mehr interessierenden Ende führte.

Kurzum: V/H/S ist gefühlte 90 Minuten zu lang und selbst die eigentlich typischen Plots von Kurzgeschichten konnten mich hier nicht überzeugen. Selbst, wenn man den Episodenfilm "Little Deaths" scheisse fand, war er dennoch um Längen besser und pfiffiger als dieser absolute, unerträgliche Quark hier. Selbst die Einführung von Hostel 1 mit seinen pubertierenden Jugendlichen, die ich abartig unnötig finde und ebenfalls sehr hasse, rückt sich da für mich in ein positives Licht, nachdem ich diesen Müll hier gesehen habe.

1/10 Betamx-Tapes ;)
Sidschei

29.08.2012, 10:13



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