Wer noch nie einen asiatischen Geisterfilm gesehen hat, wird von "Shutter" vermutlich sehr angetan sein. Er erfüllt seinen klar definierten Job schnörkellos, ohne Umwege oder größere Abschweifungen, und funktioniert im Rahmen seiner Vorgaben durchaus zufriedenstellend. Wer hingegen die letzten sechs, sieben Jahre nicht in einer Art Wachkoma verbracht und somit die Schwemme von Filmen um blasse, dunkelhaarige Mädchen mit toten Augen mitbekommen hat, wird sich hier zwar nicht unbedingt gleich langweilen - aber er wird vergeblich auf nur das kleinste Story- und Inszenierungselement warten, das er nicht schon mal genau so exekutiert gesehen hat.
Aufhänger des Spukspektakels ist in diesem Fall die Urban Legend um "Spirit Photography" (Geistererscheinungen auf Fotos), das Handlungsgerüst lehnt sich dann aber vor allem an eine "I know what you did last Summer"-Variante an. Der junge Tun ist Fotograf. Im Zuge einer feuchtfröhlichen Nacht ist er mit seiner Freundin Jane im Auto unterwegs nach Hause, er lenkt sie ab, sie überfährt eine fremde Frau. Nachdem er Jane zur Fahrerflucht überredet hat, wird sein Leben - und auch das von Jane - immer häufiger durch das Auftauchen von Schemen, Schatten, phantomhaften Formen, Geistern angereichert: zunächst nur auf den Fotos, die er knipst, sehr bald aber auch in durchaus, äh, "körperlicher" Form. Was folgt, folgt dem Lehrbuch: niemand glaubt den beiden, dann wird ein "Experte" aufgesucht, der düstere Dinge von sich gibt, dann macht man sich ans Aufdecken der Hintergründe, dabei werden unschöne Ereignisse der Vergangenheit aufgerollt, die zum ganzen Drama geführt haben und sich nun verstärkt auf die Gegenwart (und Zukunft) unserer Protagonisten auswirken.
Ein paar logische Schwächen - die sich allerdings im Rahmen halten - kann man dabei genauso verbuchen wie positive Aspekte, die "Shutter" zumindest davor bewahren, zum Ärgernis zu werden: insbesondere ein sehr gutes Sounddesign sowie ein paar hervorragend getimte, wenn auch eher plakative Schockmomente erfreuen das Genre-Fan-Herz.
Dennoch kann hier nichts so wirklich überraschen, alles ist (in jeder Konsequenz) einfach schon viel zu oft gesehen, um echten Eindruck zu machen. Zudem ist "Shutter" in seiner ganzen Herangehensweise, vor allem aber in seiner Inszenierung, viel zu laut, stellenweise unbeholfen und vorhersehbar, um auch nur innerhalb seines längst übersättigten Genres erinnernswert zu sein. Welten trennen ihn beispielsweise vom thematisch durchaus verwandten "Inner Senses", der es durch seine Subtilität - und natürlich durch das überragende Spiel Leslie Cheungs - schaffte, der Geisterthematik ganz neue Farbtöne hinzu zu addieren.
Was bleibt, ist ein Geisterfilm von der Stange, ohne große Schwächen, aber eben auch ohne besondere Stärken, dem leider zwischendurch ab und zu auch noch die Puste ausgeht. Ein netter Halb-Grusler für Zwischendurch, keine Frage. Aber nicht mehr. |