crazy

Una de zombis

Postmodern durchs Zombieland

von D.S.
Von diesem Film hatte ich extrem wenig erwartet. Die Beschreibung im Programmheft ließ auf billigen, prollhumorigen Amateur-Trash schließen, und der schäbige Look der Filmbilder schien diese Einschätzung sofort zu bestätigen. Und in der Tat gibt es hier ein paar Szenen zu viel, die sich ums Saufen, Kotzen oder um Fäkalhumor drehen - aber abgesehen davon schafft es der Film immer wieder, einen zu überraschen. Nicht nur durch eine hohe Zahl gelungener Witze und Situationskomik vom derbsten, sondern insbesondere durch seine erstaunlich intelligente, fast schon postmodern zu nennende Erzählweise.

"Una de Zombis" führt uns in hohem Tempo ins offensichtlich perspektivlose Leben des fetten Losers Aijon, das sich um fast nichts anderes als um selbst ausgedachte Horrorgeschichten und die sie bevölkernden Charaktere dreht. Als er von seiner entnervten Mutter vor die Tür gesetzt wird, beschließt er, das einzige zu tun, was er zu können glaubt: eine dieser Geschichten umzusetzen, sprich: einen Horrorfilm zu drehen. Natürlich muß er schnell feststellen, daß es nicht damit getan ist, sich einen coolen Filmtitel und vielleicht noch eine Hauptfigur auszudenken, sondern, daß man auch so etwas wie eine Handlung braucht... Aber wie sich bald herausstellt, soll das noch das kleinste seiner Probleme sein. Denn die Zombies, um die sich in seinem Film alles drehen soll, treten vermehrt auch in seiner realen Umgebung auf...

Natürlich ist der Plot von "Una de Zombis" ein einziger Witz. Was ihn dazu bringt, zu funktionieren, ist das nicht als solches gekennzeichnete und, zumindest in der ersten Hälfte des Films, immer atemlosere Wechseln zwischen verschiedenen Realitätsebenen. Sehen wir gerade einen Ausschnitt aus Aijons realem Leben? Oder sehen wir mit seinen Augen, wie er sich seinen Film vorstellt? Träumt er gerade? Oder träumt etwa gar eine seiner Filmfiguren? Das ist stellenweise sehr schwer auseinanderzuhalten, denn hier wird hin und her gesprungen, hier vermischen und beeinflussen sich die unterschiedlichsten Erzählstränge auf eine Weise, die den Zuschauer des öfteren mit offenem Mund zurückläßt. Auf einer Metaebene spielt die Narration mit sich selbst und mit den Erwartungen des Zuschauers - aber nicht unterkühlt intellektuell, sondern stets eingebaut in den Handlungsverlauf, direkt, voller trockenem Humor und intelligenten Selbstreflexionen.

Wie gesagt, das hindert "Una de Zombis" nicht daran, des öfteren in prollige Untiefen abzugleiten. Die schauspielerische Leistung der meisten Darsteller ist nicht erwähnenswert, ebensowenig wie Kameraarbeit und Soundtrack. Zudem verliert der Film leider zwischendurch manchmal den Faden (kein Wunder angesichts der eigentlich nicht vorhandenen Story und den vielen Haken, die die Narration am laufenden Band schlägt) - und in seiner zweiten Hälfte leider viel zu sehr an Tempo, bis er uns in einem grandiosen Finale noch mal per Express durch alle möglichen und unmöglichen Wahrnehmungs- und Deutungsebenen schickt.

Bis dahin ist er aber dermaßen vollgestopft mit bizarren Ideen und Charakteren, enthält neben ziemlich vielen albernen Zombies und ihrem genialen Chef Santiago Segura sogar eine kurze Death-Metal-meets-Lovesong-Musicaleinlage und hübsche Frauen und so viele weitere Zutaten, daß es über weite Strecken eine verdammte Freude ist, hier zuzuschauen. Kurz: eine insgesamt erstaunlich intelligente, trashige kleine Perle, die garantiert für eine Menge Lacher sorgt. Und das gibt gute 6 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

12.08.2005, 13:45



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