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Empire of the Wolves (2005)

Doppelbödig

Ein Film, der gleich in doppelter Hinsicht in zwei Hälften zerfällt: einerseits durch seine zwei völlig unterschiedlichen, zunächst scheinbar überhaupt nicht zusammengehörenden Handlungsstränge, denen er sich abwechselnd widmet. Andererseits betrifft das Auseinanderfallen leider auch die Qualität des Films: Seine erste Hälfte ist geprägt von einem furiosen Erzähltempo, zwei wirklich fesselnden Geschichten, die dem Zuschauer viele Rätsel aufgeben, und einigen sehr schönen Actionszenen, die ein paar Mal sogar recht schockig bis gorig daherkommen (jedenfalls gibt es gute maskenbildnerische Arbeit zu bewundern!). Man wird durch immer seltsamere Geschehnisse im Handlungsstrang um die reiche Anna, die scheinbar ihr Gedächtnis verloren hat, ebenso bei der Stange gehalten wie durch die gefährlichen und oftmals brutalen Ermittlungen der beiden Kommissare, die bestialische Morde im Milieu der illegalen Einwanderer in Paris untersuchen. Sobald die beiden Geschichten jedoch - auf inhaltlich ziemlich waghalsige Weise - zusammengeführt werden, verliert "Empire of the Wolves" merklich an Drive, Kraft und Spannung. Schade. Denn bis dahin konnte man einen der besten europäischen Thriller der letzten Jahre verfolgen.

Zwischendurch zwar kurzzeitig zu einer Art "Buddy-Movie" mutierend, zieht der Film einen großen Teil seiner Stärke aus interessanten, niemals eindimensional wirkenden Figuren, die überwiegend hervorragend gespielt werden. Dabei ragt Jean Reno als der "Schmierige Schiffer" respektive die "Eiserne Faust" zwar, wie zu erwarten war, heraus, aber auch sein junger Kollege Paul, Anna und die zentralen Figuren aus dem Umfeld der Grauen Wölfe können überzeugen. Atmosphärisch beeindruckend düster, von tollen Bildern und einem schönen, melancholischen Score unterlegt, begeistert der Film daneben vor allem durch eine originelle und vielschichtige, wenn auch schwer abseitige bis komplett unrealistische Story, deren weiterer Verlauf sich zunächst nicht ansatzweise vorhersehen läßt. Insbesondere die Entwicklungen um Anna, die verzweifelt versucht, ihre Amnesie zu überwinden und dabei schockierenden Hintergründen auf die Spur kommt, können immer wieder überraschen.

Aber, wie erwähnt, sobald man als Zuschauer schließlich den Überblick über die Zusammenhänge gewinnt, schafft es "Empire of the Wolves" nicht mehr, das hohe Tempo und die Spannung aufrecht zu erhalten. Was dann folgt, ist wesentlich konventionellerer Krimi-Stoff - zwar nach wie vor überdurchschnittlich actionreich umgesetzt, aber beileibe nicht mehr so interessant wie zunächst. Zudem tun sich nun ein paar Logiklöcher auf, oder jedenfalls stellen sich dem Zuschauer rückblickend Fragen, die nicht zufriedenstellend beantwortet werden.

Wer harte Krimis und ein paar Denksportaufgaben schätzt, wird an diesem Film sicherlich seine Freude haben. Wer bislang nicht allzuviel mit dem Genre anfangen konnte, dürfte aber auch hierdurch kaum zum Fan werden. Insgesamt gute Unterhaltung, die ihr Potential aber leider teilweise verschenkt. 6,5 Punkte - mindestens einen Punkt Abzug gibt es für den Ethno-Kitsch im letzten Drittel des Films.
Dominic Saxl
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt
OOOOOOo...
12.08.2005, 14:22
 

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